Während des Wachseins ist das Kind aktiv mit seiner Umwelt. Beim Schlafen ist das Kind nicht passiv, sondern die Aktivierungen verschieben sich auf innere Prozesse wie zum Beispiel hormonelle Aktivitäten. Das Wachstumshormon hat im Schlaf die höchste Ausprägung. Auch für die geistige Auseinandersetzung ist Schlaf von grosser Bedeutung. Nicht zufällig sagen wir: «Darüber muss ich erst mal schlafen.»
Auch Firmen haben entdeckt, dass ein kurzer Schlaf tagsüber die Leistungsfähigkeit fördert. Und so gibt es in vielen Unternehmen Ruheräume. Damit stellt sich die Frage nach dem Schlafbedarf. Dies ist abhängig vom Alter. Ein Neugeborenes schläft durchschnittlich 16-18 Stunden in 24 Stunden. Im Verlaufe des ersten Lebensjahres reduziert sich die Schlafmenge auf 14-15 Stunden und weiter auf 12 Stunden im Laufe der Vorschulzeit.
Auch Kinder träumen, um Ereignisse zu verarbeiten. Manchmal wachen sie wegen schlechten Träumen auf und haben Mühe, wieder in den Schlaf zu finden. Kinder ernst nehmen und versuchen auf ihre Träume einzugehen, helfen dem Kind sich verstanden und sicher zu fühlen.
Aus der Schlafforschung weiss man, dass Kinder auch im Schlaf die Erfahrung vom wechselseitigen Austausch mit den Bezugspersonen benötigen. Sie müssen sich aktiv in der Gestaltung des Schlafszenarios einbringen können, dann Schlafen sie besser (vgl. Beitrag von Hans Lüpke im «Das Elternbuch», Rowohlt Taschenbuch Verlag).
Babys und Kinder, denen durch Nähe, Rituale und rasches Reagieren bei Weinen beim Einschlafen geholfen wird, haben später weniger Mühe mit dem selbständigen Ein- und Durchschlafen als Babys, die man von klein auf zwingt, alleine in einem Zimmer zu schlafen. Karl Heinz Brisch, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in München, forscht und lehrt im Bezug auf Störungen in der frühen Kindheit. Auch seine Forschungsergebnisse gehen in die gleiche Richtung: Kinder schlafen besser, wenn sie mit Bezugspersonen in einem Zimmer sind.