Freiwilligenarbeit

Spontaneinsatz in der Kaserne Bülach

Ursula Ohl, pensioniert und seit letztem Jahr als Freiwillige beim Roten Kreuz im ÖV-Begleitdienst tätig, erzählt von ihrem spontanen Freiwilligeneinsatz in Bülach für Geflüchtete aus der Ukraine.
Porträtfoto von Ursula Ohl, Freiwillige

Die Armee räumte die Kaserne Bülach im März 2022 für die temporäre Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine. Die Kaserne bot bis 8. Mai Platz für 500 Flüchtlinge, deren Betreuung die Asylorganisation Zürich (AOZ) übernahm.

In dieser Zeit waren auch Freiwillige vom Zürcher Roten Kreuz vor Ort im Einsatz. Eine von ihnen war Ursula Ohl. Sie meldete sich auf einen Aufruf per Mail vom Roten Kreuz Zürich, der an die Rotkreuz-Freiwilligen aus der Region verschickt worden war. Gesucht waren flexible Rotkreuz-Freiwillige, die jeweils an halben Tagen Unterstützung bei den täglichen Aufgaben in der Kaserne leisten konnten.

Uns geht es gut, da möchte ich gerne helfen.
Ursula Ohl

Normalität in der Ausnahmesituation

«Zusammen mit zwei weiteren Rotkreuz-Freiwilligen erhielt ich eine kurze Einführung eines jungen Mitarbeiters der AOZ», erzählt Ursula Ohl. «Danach konnten wir Freiwilligen uns selber absprechen, wer wo unterstützen wollte. Es brauchte Hilfe bei der Kleiderabgabe, bei der Essensausgabe und im Spielbereich für Kinder.» Zusammen mit anderen – Mitarbeitenden und Geflüchteten, die mithalfen – hat Ursula Ohl an einem Abend 470 Menus ausgegeben. Besonders in Erinnerung blieb ihr die Begegnung mit einem etwa 11-jährigen geflüchteten Jungen, der ebenfalls mithalf. Sie erklärten sich gegenseitig in ihren Sprachen Wörter, wie zum Beispiel was Brot auf Ukrainisch oder Deutsch heisst. Der Junge konnte ein wenig englisch, war fröhlich und hat gerne mitgeholfen.

«Mein Eindruck war, dass die Menschen trotz der Umstände möglichst normal leben wollten. Es hat mich beeindruckt, dass die Geflüchteten sehr gefasst wirkten, und mir schien, alle legten Wert auf ein gepflegtes Äusseres und möglichst viel Normalität.» Verständlicherweise seien sie für Gespräche und Austausch eher unter sich geblieben. Aber per Zufall entstand dennoch eine kurze Unterhaltung mit einer Frau. «Das Essen wurde gestaffelt verteilt, und auch wir Helfenden durften essen. So setzte ich mich an einen Tisch, wo es einen freien Platz neben einer Frau gab. Sie erzählte mir auf Englisch, dass sie nicht wisse, wie es bei ihr daheim aussieht, welche Häuser noch stehen.»

Spannende Aufgaben beim Roten Kreuz

Ursula Ohl würde sich jederzeit wieder melden, um spontan zu helfen, auch wenn es nur ein kleiner Beitrag sei. «Uns geht es gut», meint sie, «da möchte ich gerne helfen.» Viele Menschen, die geflüchtet sind, seien mit Vorurteilen konfrontiert. Sie möchte dazu beitragen, dass Vorurteile abgebaut werden. Die Freiwillige interessierte sich letztes Jahr für ein Engagement für Menschen mit Migrationshintergrund, hat sich an der Informationsveranstaltung des Zürcher Roten Kreuzes aber dazu entschieden, sich im ÖV-Begleitdienst zu engagieren. Seither begleitet sie rund zweimal wöchentlich Menschen, die in der Mobilität eingeschränkt sind, im öffentlichen Verkehr. Der spontane Kurzeinsatz in der Kaserne Bülach war eine zusätzliche Aufgabe und wird ihr als wertvolle Erfahrung in Erinnerung bleiben. «Das Rote Kreuz ist die Organisation, für die ich mich einsetzten möchte – es gibt viele spannende Aufgaben. Es ist international, es ist interessant – es passt einfach.»

Ursula Ohl erzählt von ihrem Einsatz