Keine Frage, Kinder sind kompetent und dies vom ersten Lebenstag an. Sie können schon eigene angemessene Entscheidungen treffen. Sie fühlen sich ernst genommen und respektiert, wenn sie miteinbezogen werden. Was viele Nannys jedoch in Familien antreffen, sind Situationen, in denen Kindern Wahlmöglichkeiten gegeben werden, die nicht ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Dies führt zu manch unnötiger Konfliktsituation, und ist vielleicht teilweise auch ein Ausdruck des «Sich-nicht-entscheiden-können» der Eltern.
Die Nannys diskutierten über folgenden Fragen: Welche Fragen zur Mitbestimmung werden kleinen Kindern in euren Familien gestellt? Welche sind altersgerecht und welche nicht?
Die Nannys kamen zu folgendem Schluss: Nicht altersgerechte Fragen sind offene Fragen, die auf Bedürfnisse der Kinder zielen und ausserhalb der nahen Lebenswelt liegen. Beispiele: Wann willst du ins Bett? Auf welchen Spielplatz sollen wir? Was willst du Essen? Was möchtest du anziehen?
Erklärung: Diese Fragen sind zwar gut gemeint, aber sagen wohl mehr etwas über die fragende Person aus, nämlich, dass sie eventuell selber nicht weiss, was sie kochen soll und darum einfach einmal das kleine Kind fragt. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Das Kind wünscht sich dann Wienerli mit Pommes – dies ist dann nicht möglich, worauf das Kind verständlicherweise einen Trotzanfall bekommt. Auch wenn das Kind mitten im Winter das Sommerkleid anziehen möchte, realisiert die Mutter (oder der Vater), dass sie das lieber nicht so gefragt hätte. Nur: Meistens denken Eltern, dass ihre Kinder schon vernünftig sind – nur geht es hier eben nicht um Vernunft. Sondern darum, dass ein 3-jähriges Kind, das kaum den Begriff der Zeit geschweige der Jahreszeit kennt, kognitiv noch nicht dazu in der Lage ist, hier zu entscheiden. Der Rahmen geht über die Lebenswelt des Kindes hinaus.
Was ist denn die Lebenswelt des Kindes, worüber es Entscheidungen treffen kann?
Dies betrifft zum Beispiel sein Zimmer und die Spielsachen, auf die es selber zugreifen kann. So kann das Kind durchaus eine Antwort geben auf die Frage: «Sollen wir ein Buch lesen? Welches wollen wir zusammen anschauen?» Das Kind kennt seine Bücher und ist damit vertraut.
Ein Kleinkind ist sehr wohl in der Lage, eine gute Wahl zu treffen und so in seiner Selbstwirksamkeit gestärkt zu werden. Nur sollte die Auswahl konkreter und den Möglichkeiten der Situation und dem Alter angepasst sein. Beispielsweise: «Möchtest du die Jeans oder die grüne Hose anziehen»? Oder: «Heute könnte ich Spagetti oder Penne kochen» oder «Sollen wir auf den Spielplatz mit der grossen Wiese oder auf den Spielplatz mit den Tieren gehen?» Auf diese Weise hilft die Vorauswahl dem Kind, diese neuen Lebenswelten zu entdecken und in ihnen zu wachsen, bis es sich selber ein Bild über die Vor- und Nachteile einer Wahl machen und Verantwortung übernehmen kann. Eltern sollten gestärkt werden, ihre Kinder in Entscheidungen miteinzubeziehen und so die Kooperation zu fördern.
Die Nannys waren sich einig: Wenn Eltern nicht altersgerechte, offene Fragen stellen und unpassende Wahlmöglichkeiten geben, können Nannys die Eltern nicht ändern – sie können nur sich selber fachlich kompetent verhalten und den Eltern als Vorbild dienen.
Nannys haben sich an einem Erfahrungsaustausch Gedanken zu altersgerechten Wahlmöglichkeiten gemacht und typische Situationen in Familien analysiert.
SRK Kanton Zürich
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