Zugkinder

Erinnerungen an gelebte Solidarität

Mit den Rotkreuz-Kinderzügen kamen in den Jahren 1942–1956 Tausende ausgehungerter Kinder aus den kriegsversehrten Gebieten Europas zur Erholung in die Schweiz. Das Projekt «Zugkinder» des Zürcher Roten Kreuzes will diese Erinnerungen lebendig halten.
Zugkinder, die zur Erholung in die Schweiz reisten, schauen aus dem Zugfenster
Zugkinder – Erinnerungen an gelebte Solidarität

«Halt im Paradies»

Am 8. und 9. Mai hat der Film «Halt im Paradies» im Arthouse Kino Alba in Zürich seine Premiere gefeiert. Der Dokumentarfilm von Hans-Urs Bachmann und Lea Moliterni ist wichtiger Bestandteil des «Zugkinder»-Projekts.

Zeitzeugen erzählen darin von ihren Erlebnissen, wie sie damals als Kinder zur Erholung in die Schweiz reisten und schätzen die Bedeutung dieses Erlebnis für ihr gesamtes Leben ein. Im Zentrum der Geschichte steht Professor Dr. Gerhard Sauder. Auch er reiste 1947 als Achtjähriger für drei Monate in die Schweiz. Ihn begleiten wir 75 Jahre später mit der Kamera, wie er die erste Reise seines Lebens noch einmal antritt - heute im Sinne einer «Recherche-Reise» für seine eigenen Memoiren. Dabei besucht er nochmals die wichtigsten Orte seines Aufenthalts in Zürich auf, taucht ein in Erinnerungen und ordnet diese «paradiesische» Erfahrung in ein volles Leben ein.

Unvergessen
Cover und Inhalt Broschüre «Unvergessen»

Im Rahmen der Herstellung des Films «Halt im Paradies» ist auch die Broschüre  «Unvergessen» entstanden. Darin ergreifen wir die Initiative und laden Sie ein, Ihr eigenes Leben in den Blick zu nehmen, in Ihre Erinnerungen einzutauchen und Entscheidungen zu treffen für das, was bleiben soll.

Broschüre «Unvergessen» bestellen

Möchten Sie etwas von Ihrem Glück weitergeben? Hier können Sie die Broschüre «Unvergessen» bestellen oder den kostenlosen Ratgeber für die Nachlassplanung beziehen. 

Die Zeitzeugin Edith Aichinger erzählt

SRK-Mitarbeiterin und Historikerin Dr. phil. Lea Moliterni führte Gespräche mit Spenderinnen und Spendern, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit den «Rotkreuz-Kinderzügen» zur Erholung in die Schweiz kamen. Das Zeugnis dieser Menschen zeigt die lebensrettende Bedeutung des Roten Kreuzes zu Krisenzeiten. Dies macht Mut, dass wir mit vereinten Kräften und gemeinsamen Werten auch aktuelle und kommende Krisen bewältigen werden.

Eines dieser «Zugkinder» war Frau Edith Aichinger. Ausgehungert und traumatisiert reiste sie 1948 aus dem zerbombten Innsbruck in die Schweiz (siehe Filmausschnitt, gedreht von Hans-Urs Bachmann).

Nach dem zweiten Weltkrieg kamen Tausende Kinder dank dem Roten Kreuz in die Schweiz
Frau Aichinger als 9-Jährige im Zug von Innsbruck Richtung Schweiz

Bei ihrer liebevollen und warmherzigen Gastfamilie in der Schweiz erlebte sie zum ersten Mal, was eine unbeschwerte Kindheit wäre: Bis heute erinnert sich Frau Aichinger an die Geborgenheit, die Sicherheit und Anerkennung, die sie erfuhr. Hier lernte sie das Lachen kennen und das Glück, mit vollem Bauch zu Bett gehen zu dürfen – wohlbemerkt in ein eigenes Bett, ganz für sie alleine. Wen wundert’s, dass Frau Aichinger die Schweiz mit einem Stück Himmelreich verglich, an dessen Eintrittstor jedes «Zugkind» eine duftende Seife und eine Tasse heissen Kakao erhielt?  

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Zum ganzen Interview mit Frau Aichinger in der Zürcher Rotkreuz Zeitung (Ausgabe 4 / 2020)