«come together»

Ein Engagement, das Welten verbindet

«come together» bringt geflüchtete Menschen und Freiwillige zusammen. Iris erlebte, wie zwei Stunden pro Woche nicht nur beim Deutschlernen und Ankommen unterstützen, sondern auch Horizonte erweitern.

Iris ist 47 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei Teenagern. Mit ihrer Familie wohnt sie in Altikon, in der Region ist sie auch aufgewachsen. Sie arbeitete in der Kommunikation und war lange freiwillig in Dorfvereinen und der Kirche aktiv. Anfang letzten Jahres wagte sie einen neuen Schritt: Sie kündigte ihre Stelle und nahm sich bewusst eine Auszeit, um sich neu zu orientieren. 

In dieser Phase stiess sie in der Winterthurer Tageszeitung «Der Landbote» auf einen Artikel über das Zürcher Rote Kreuz und das Programm «come together». Die Idee dahinter faszinierte sie sofort. «come together» ist ein Tandemprojekt, das geflüchtete Menschen und Freiwillige aus der Region Winterthur und Andelfingen zusammenbringt. Ziel ist es, den Alltag gemeinsam zu erleben, Deutsch im praktischen Kontext zu üben und Orientierung im neuen Umfeld zu geben. Die Treffen finden regelmässig und wohnortsnah statt – die Tandems gehen spazieren, erkunden die Umgebung oder unternehmen gemeinsam etwas. So entstehen persönliche Kontakte, die das Ankommen und Deutschüben erleichtern und Brücken zwischen verschiedenen Lebenswelten bauen. 

Ich empfand das Programm gleich ab dem ersten Moment sehr sinnvoll.
Iris, ehemalige Freiwillige bei «come together» und Kommunikationsfachfrau

«Über Sprache und Kommunikation passiert viel, das weiss ich bestens», sagt die Kommunikationsfachfrau lachend, «ausserdem kenne ich die Gegend sehr gut und fand die Idee spannend, diese jemandem zu zeigen und dabei die Person beim Deutschüben zu unterstützen.» Erfahrung mit einem solchen Engagement hatte Iris nicht. Sie hatte bis dahin keinen Kontakt mit geflüchteten Personen und hat noch nie jemanden beim Deutschüben oder Ankommen in der Schweiz unterstützt. «Ich bin eine Person, die gern in ihrer Komfortzone bleibt», gibt sie offen zu, «aber genau deshalb wollte ich bewusst etwas Neues machen und entschied mich für das Engagement als Tandempartnerin.» Heute ist sie froh über diesen Schritt. 

Gemeinsam im Alltag 

Iris war im Tandem mit einer Frau, die Anfang 30 ist und drei Kinder hat. Vor «come together» beschränkten sich die sozialen Kontakte der Frau auf Zweckgemeinschaften mit anderen geflüchteten Frauen. Umso wichtiger war es für sie, eine Person kennenzulernen, die schon länger in der Gegend lebt und Deutsch spricht, was Iris oft deutlich spürte. Die Treffen waren vielfältig: «Bei schönem Wetter gab es Spaziergänge, Kennenlernen des Dorfes, Deutschübungen auf einer Parkbank oder auch einmal einen Besuch auf dem Spielplatz mit der Tochter. Bei schlechterem Wetter besuchten wir das Café im Dorf, waren Kerzenziehen oder tranken Tee bei ihr oder mir zu Hause. Anfangs war die Kommunikation gar nicht so einfach, da die Frau erst begonnen hatte, Deutsch zu lernen. Doch mit der Regelmässigkeit wurde das Gespräch immer leichter, die Fortschritte waren spürbar», berichtet die Freiwillige. Besonders gefällt ihr, dass man den Alltag teilt, sich regelmässig dort trifft, wo man wohnt, und gemeinsam Deutsch spricht – ganz praktisch. 

Über das Tandem hinaus

Doch auch untypische Tage gab es. Iris erzählt von einem Erlebnis: Als sie das Haus ihrer Eltern räumen musste, erzählte sie ihrer Tandempartnerin davon – die sofort ihre Hilfe anbot. Einen ganzen Tag lang packten sie gemeinsam an, putzten und räumten auf. «Mich hat sehr berührt, dass sie mir mit einer Selbstverständlichkeit bei dieser Aufgabe geholfen hat», sagt Iris. Ausserdem habe sie vieles von der jungen Frau gelernt: «Von Anfang an beeindruckte mich ihre Stärke. Sie hat sehr vieles erlebt und hat es auch zurzeit nicht leicht, aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Ausserdem sind ihre Grosszügigkeit und ihr grosses Herz sehr faszinierend und wundervoll. Davon könnte sich jeder eine Scheibe abschneiden.» 

Iris erklärt auch, dass ihre Tandempartnerin zu Beginn nicht schreiben konnte, was die Schwierigkeit, eine neue Sprache zu erlernen, erhöhte. Mittlerweile sind deutliche Fortschritte spürbar. «Und ich konnte mir nicht mal die zwei, drei Worte, die sie mir auf Farsi beigebracht hat, merken», sagt sie lachend. Unterdessen ist ihr Tandem im Rahmen von «come together» beendet. «Wir haben jedoch immer noch Kontakt. Zwischen uns ist eine Freundschaft entstanden. Ich unterstütze sie immer noch, wenn ich kann. Die Hürden für geflüchtete Menschen in der Schweiz sind gross, ich sehe es bei ihr immer wieder. Aktuell muss die Familie aus ihrer Wohnung ausziehen und ich versuche, eine Stütze bei der Wohnungssuche zu sein», erklärt Iris.

Andere Lebensrealitäten kennenlernen 

In der Zwischenzeit hat Iris ihre Auszeit wieder beendet und eine spannende neue Stelle in der Kommunikation angetreten. Das Engagement hatte ihr gezeigt, dass es sich lohnt, Neues auszuprobieren. Sie konnte einen Menschen unterstützen und gleichzeitig viel Wissen für ihr Privat- sowie Berufsleben mitnehmen. «Der Einsatz hat mich aus meiner Bubble rausgeholt. Ich lebte immer in derselben Region und mit Menschen, die dieselbe Lebensrealität wie ich hatten. Da draussen gibt es aber auch andere Umstände und mit einer dieser Realitäten trat ich in Kontakt. Mit dem Schicksal ihrer Tandempartnerin konfrontiert zu werden, war nicht immer einfach für Iris, aber sie betont: 

Es ist wichtig zu wissen, dass es diese Realitäten gibt.

Iris ist überzeugt vom Programm und möchte den Menschen in der Region Winterthur und Andelfingen ans Herz legen, sich zu engagieren. «Was sind zwei Stunden pro Woche im Verhältnis zu unserem Leben», betont sie, «insbesondere, wenn man sieht, wie viel es bewirkt.» Bei «come together» lernen beide Seiten Neues und nehmen diese Erfahrungen für ihr Leben mit. Sprache ist nicht nur ein Werkzeug, sondern ein Schlüssel für Vertrauen und Teilhabe. Wer Zeit schenkt und zuhört, schafft Verbindung – und das ist unbezahlbar.

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