«Meet'n'Speak»

«Menschlichkeit bedeutet, nicht nur an sich zu denken»

Maya kennt die Herausforderungen eines Neuanfangs in der Schweiz aus eigener Erfahrung und engagiert sich deshalb freiwillig bei «Meet’n’Speak».
Porträtfoto von der Freiwilligen Maya aus dem Programm 'Meet'n'Speak'.

Als Maya mit ihrer kurdischen Familie vor 10 Jahren aus Syrien in die Schweiz kam, war der Start anspruchsvoll: neue Umgebung, neue Sprache. So schnell wie möglich Deutsch zu lernen, war das Wichtigste. Aus diesem Grund empfahl ihr ihre Lehrperson an einem Programm beim Zürcher Roten Kreuz teilzunehmen. Maya wurde Teil eines «Meet’n’Speak»-Tandems und traf sich regelmässig mit ihrer Tandempartnerin, um Deutsch zu üben und über das Leben in der Schweiz zu sprechen. «Meine Tandempartnerin hat mir Mut gemacht und mir Vertrauen geschenkt,» erzählt die 22-Jährige, die sich noch sehr gut an die Zeit erinnert. 

Erfahrung als Motivation

Unterdessen hat Maya ihre Lehre als Dentalassistentin EFZ abgeschlossen und arbeitet Vollzeit. Neben ihrem Hauptberuf engagiert sie sich seit 2024 als Freiwillige bei «Meet’n’Speak» – als Tandempartnerin, die anderen jungen Menschen hilft, Deutsch zu üben. Maya engagiert sich für dasselbe, das ihr damals geholfen hat. 

Diese Erfahrung hat mich geprägt. Das will ich weitergeben, es ist mir ein grosses Anliegen.
Maya, Freiwillige bei «Meet'n'Speak»

Nun trifft sie sich regelmässig mit einer 17-Jährigen, die vor Kurzem aus Äthiopien in die Schweiz kam. «Wenn man neu in einem Land ist und die Sprache nicht kann, ist vieles schwer im Alltag», erinnert sich Maya, denn sie kennt die Situation der Jugendlichen sehr gut. Dieses Verständnis schafft Vertrauen. «Mit der Zeit öffnete sie sich mehr und traute sich zu erzählen und Fragen zu stellen», berichtet Maya. Gemeinsam unternehmen sie einfache Dinge: Sie gehen spazieren, trinken Kaffee, essen Glacé oder Kuchen und sprechen ganz viel. Maya sagt, dass sie sehr viel über die äthiopische Kultur gelernt hat, von der sie davor nicht viel wusste und dass sie das sehr schätzt. «Ausserdem habe ich einen guten Umgang mit Jugendlichen gelernt und bin geduldiger geworden», berichtet Maya, «und sie ist jetzt meine Freundin – nicht nur eine Tandempartnerin.» 

Mut für die Zukunft

Ihre Tandempartnerin befindet sich im 10. Schuljahr und sammelt erste Erfahrungen in verschiedenen Schnupperlehren, unter anderem als Fachfrau Gesundheit und als Dentalassistentin. Beim ersten Treffen der beiden war auch der Vater der Jugendlichen dabei. «Er hat mich gebeten, meine Erfahrung mit seiner Tochter zu teilen.» Und das tat Maya. Sie berichtet ihr offen von Entscheidungen, Zweifeln und Motivation. «Mir wurde oft gesagt, ich soll eine einfachere Berufslehre absolvieren und dass ich es nicht schaffen werde. Ich wusste aber, dass ich es kann. Am Ende habe ich das gemacht, was ich wollte und bin stolz darauf». Diese Haltung gibt sie weiter. Sie ermutigt ihre Tandempartnerin, ihre Stärken zu nutzen und eine Lehre zu wählen, hinter der sie steht. «Sie hat gute Noten, und ich weiss, dass sie viel erreichen kann.» 

Maya ist bewusst, wie wichtig Deutschkenntnisse sind, um sich hier ein Leben aufzubauen. Deshalb schätzt sie Programme wie «Meet’n’Speak» sehr. «Menschlichkeit bedeutet, nicht nur an sich zu denken.» 

Ich habe Hilfe erhalten, als ich sie gebraucht habe. Jetzt helfe ich anderen.
Maya

Was Maya einst selbst gestärkt hat, gibt sie heute weiter. Sie nimmt nun andere an der Hand, damit sie auch ihren Platz finden. 

Infoveranstaltung «Meet'n'Speak»

Interessiert, auch Freiwillige:r bei «Meet'n'Speak» zu werden? Melden Sie sich unten für die Infoveranstaltung an. Wir freuen uns auf Sie!