«Meet'n'Speak»

Zu zweit Deutsch lernen

Seit rund zwei Jahren vertieft Arsalan sein Deutsch bei regelmässigen Treffen mit Emanuela.
Tandem von Meet'n'Speak

Deutsch zu lernen, ist für Nichtmuttersprachler ein mühsamer Weg. Doch es gibt auch die Möglichkeit, dabei nah unterstützt zu werden – auf eine Art und Weise, die viel Spass machen kann. So, wie es Emanuela (30) und Arsalan (18) seit rund zwei Jahren praktizieren. 

Die beiden machen mit beim Programm «Meet'n'Speak», welches das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Kanton Zürich schon seit Jahren anbietet. Im Kanton Zürich ist SRK-Mitarbeiterin Jeanine für die Koordination im Zürcher Oberland zuständig. Die Idee von «Meet'n'Speak»: Deutschsprechende bilden mit Kindern und Jugendlichen, die noch nicht lange in der Schweiz wohnen, ein Tandem, um Deutsch zu sprechen. Es geht darum, in einer lockeren Atmosphäre Deutsch im Alltag anzuwenden und zu vertiefen. 

«Die Duos können ihre Treffen ganz individuell gestalten. Wichtig ist nur, dass man sich regelmässig trifft», erklärt Jeanine. Seit rund zwei Jahren bilden Emanuela, die als Komplementärtherapeutin arbeitet, und Arsalan ein Tandem. 

Möchten Sie sich auch engagieren?

An der Online-Infoveranstaltung am 14. Januar 2026 erfahren Sie mehr über den freiwilligen Einsatz als Tandempartnerin oder Tandempartner. Melden Sie sich jetzt an!

Anmeldung Infoveranstaltung
Wertvoller Austausch
Tandem beim UNO-Spiel

Zu Beginn als 16-Jähriger wohnte Arsalan in Uster in der Unterkunft für Mineurs non accompagnés (MNA), also für Minderjährige, die ohne Familie in die Schweiz gekommen sind. Er ging damals von Montag bis Freitag in den Deutschkurs. «In der Anfangszeit haben wir vor allem zusammen Hausaufgaben gemacht und dabei auch mit Händen und Füssen und über die Mimik kommuniziert », erinnert sich Emanuela. 

«Und wir haben oft zusammen das Kartenspiel ‹Uno› gemacht, um Farben und Zahlen auf Deutsch zu lernen», ergänzt Arsalan, der ursprünglich aus Afghanistan stammt. Zudem hätten sie viel über den Alltag in der Schweiz gesprochen. Inzwischen spricht er schon gut Deutsch. «Mir war von Anfang an wichtig, die Sprache zu lernen», sagt er. «Arsalan ist ein mutiger Typ, der sehr offen ist und auf Menschen zugeht. Er hat von sich aus den Kontakt zu Schweizern gesucht», schwärmt seine Tandem-Partnerin. 

Gemeinsames Hobby: Kochen
Tandem von Meet'n'Speak

«Wir kochen und essen beide sehr gerne», verrät das Duo. Und so kochen sie oft zusammen in der Wohnung von Emanuela. Dann ist auch häufig ihr Ehemann dabei, der wie Arsalan Türkisch spricht. 

Aktuell besucht er in Uster, wo er inzwischen mit seinem Cousin in einer WG ein Zimmer teilt, die Berufswahlschule. Hier absolvieren Jugendliche ein Berufsvorbereitungsjahr. Ab August 2026 wird er dann eine Vorlehre bei einer Gartenbaufirma in Schwerzenbach beginnen. «Die Menschen hier in der Schweiz sind alle sehr freundlich», erzählt er. Und es gebe klare Regeln. Wer in der Schule die Hausaufgaben vergessen habe, müsse nachsitzen. «Ich habe Arsalan auch schon gesagt, dass man hier pünktlich zu einem Treffen erscheint und nicht kurzfristig absagt», erklärt Emanuela mit einem Lächeln, während Arsalan zuhört. 

Man merkt: Die zwei verstehen sich gut. «Ich lerne auch von Arsalan sehr viel», betont Emanuela, «er ist ein Familienmensch wie ich. Er musste in jungen Jahren schon selbständig sein und sich allein durchschlagen. Das ist beeindruckend.» Und die 30-Jährige erklärt weiter: «Ich habe auch viel Neues über Afghanistan erfahren. Die älteren Geschwister von Arsalan haben alle eine sehr gute Ausbildung. Mir war das nicht so klar, dass das dort möglich war. Allerdings war und ist die Situation für seine Schwestern leider ganz anders.» 

Arsalan ist immer mehr in der Schweiz angekommen – auch dank dem Tandem. «Ich finde, jeder sollte ein Tandem machen», wirbt er. Auch der Fussball hat ihm geholfen, sich hier zurechtzufinden. Aktuell kickt er beim FC Uster, wo er zudem Assistenztrainer bei den Junioren ist. 

Eine sinnstiftende Arbeit

«Ich habe selbst lange in Italien gelebt. Ich kann mitfühlen, wie es ist, sich in einem fremden Land allein durchschlagen zu müssen. Man ist froh, wenn man Kollegen findet, die mit einem an der Seite durch den Alltag gehen. Das ist sehr wichtig und motivierend», so Emanuela. Das sei einer der wichtigen Gründe, weshalb sie sich als Freiwillige für das Tandem angemeldet habe. Ausserdem sei es eine sinnstiftende Arbeit.

Tandems werden begleitet

Seit April 2024 konnte Jeanine in Uster 20 Tandems vermitteln. «Vor allem Jugendliche aus der MNA-Unterkunft in Uster bilden den Kern», sagt sie. Aktuell warten dort rund 14 Minderjährige auf eine Partnerin oder einen Partner für ein Tandem. «Bevor man ein Duo bildet, trifft man sich zu einem Gespräch, um die Bedürfnisse und Erwartungen abzuklären», betont Jeanine. 

Die Tandems werden von ihr regelmässig begleitet – sie steht den Freiwilligen auch mit Rat und Tat zur Seite. «Jede Person mit einer offenen Haltung kann beim SRK-Programm mitmachen. Wichtig ist vor allem, dass man regelmässig Zeit hat für die Treffen und sich mindestens für ein halbes Jahr engagiert», betont sie. 

Dieser Text ist von Luc Müller. Der Beitrag erschien erstmals im Regio 2 im Dezember 2025. Vielen Dank für die Genehmigung der Veröffentlichung auf unserer Website. Hier geht es zur regionalen Lokalzeitung von Uster: www.regio.ch