Corona-Soforthilfe

Plötzlich in Not

Ausgabe 1 / 2021
Der Schuhmacher Nick nahm die Corona-Soforthilfe des Roten Kreuz Zürich in Anspruch.
Die Corona-Pandemie hat auch Menschen in existenzielle Nöte getrieben, die vorher noch nie auf Unterstützung angewiesen waren.

So etwas hat die niederschwellige SOS-Beratung des Zürcher Roten Kreuzes in über 25 Jahren noch nie erlebt. Doch die Pandemie sorgte für Notlagen wegen Kurzarbeit, angeordneter Geschäftsschliessung oder plötzlich ausbleibender Kundschaft und bescherte der Beratungsstelle eine bisher unbekannte Kundengruppe. Es meldeten sich Menschen bei uns, die vor der Corona-Krise nie zu uns gekommen wären. Unter den «Neuen» stach die Gruppe der Selbstständigen hervor. Taxifahrer, Kosmetikerinnen, Künstler, Marktfrauen – alle fragten sie bei uns nach einer Spende aus der Glückskettensammlung.

Einer von ihnen ist Nick. Ein allseits geschätzter Schuhmacher in der Stadt Zürich am Kreuzplatz. Auch er wäre in normalen Zeiten nie auf die Idee gekommen, um Unterstützung zu bitten. Eine Kundin hatte ihn auf die Corona-Situation angesprochen, und als er ihr sein Herz ausschüttete, empfahl sie ihm, beim Zürcher Roten Kreuz anzufragen. Das hat er dann schweren Herzens getan – schliesslich musste er noch nie jemanden um Hilfe bitten. Doch die Miete ist jeden Monat fällig, trotz wochenlanger Schliessung im Frühjahr und darüber hinaus monatelangen Umbaus direkt neben seinem Geschäft. Die erwartete Kundschaft blieb teilweise aus. Zusätzlich machten ihm vorübergehend gesundheitliche Probleme zu schaffen. Deshalb wagte er es, ein Gesuch für Corona-Soforthilfe zu stellen.

Grosse Dankbarkeit

Nach einem ersten Abklärungsgespräch reichte er unverzüglich alle nötigen Unterlagen schriftlich ein. «1'000 Franken sind unglaublich viel, wenn man jeden einzelnen Franken umdrehen muss», gesteht er. Die Durststrecke ist für viele Betroffene sehr viel länger als die finanzielle Lücke aus den Wochen des langen Lockdowns im Frühling. Helfen würden Geschäften wie Schuhmacher Nick wieder mehr Kundinnen und Kunden, die – wenn es möglich ist – lokal einkaufen, oder in seinem Fall ihre Schuhe oder Taschen zum Reparieren bringen.

Ein anderes Beispiel ist eine Detailhandelsangestellte, deren Arbeitgeber Kurzarbeit anmelden musste. Sie erhielt nur noch 80 Prozent ihres bisherigen Lohns. Sie rutschte so unerwartet unter die Armutsgrenze und konnte ihre Ausgaben nicht mehr decken. Es meldete sich unter vielen anderen auch ein selbstständiger Transportunternehmer bei uns, der wegen der Corona-Krise keine Aufträge mehr erhielt und auch keinen Anspruch auf Nothilfe für Selbstständige hatte, da er das festgelegte Mindestjahreseinkommen nicht erreichte. Und dann war da noch die alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die von der Sozialhilfe lebt und für ihre schulpflichtigen Kinder dringend einen Computer benötigte, damit sie beim Fernunterricht mitmachen konnten.

Rasche Überbrückungshilfe

Die Personen, die sich bei uns meldeten, leben in sehr unterschiedlichen Situationen. Alle haben aber eines gemeinsam: Sie sind aufgrund der Corona-Pandemie in eine prekäre Situation geraten und waren für die unkomplizierte Unterstützung enorm dankbar. Die Pandemie betrifft zwar alle – aber in ihrer existenziellen Situation trifft sie bestimmte Personengruppen viel heftiger als andere, und das unverschuldet. Armut zeigt sich zeitverzögert, weil die Betroffenen zuerst alle Möglichkeiten ausschöpfen, um sich selbst zu helfen. Rasche Überbrückungshilfe ist deshalb unglaublich wichtig, damit nicht mehr Menschen wegen Corona in die Armut abrutschen.