Elsa Frei

Ein gutes Leben

Ausgabe 3/2021
Rotkreuz-Spitalhelferinnen, ca. 1962
Elsa Frei hatte während rund 20 Jahren als freiwillige Rotkreuz-Spitalhelferin im Krankenhaus Thalwil gearbeitet. Im Gespräch erzählt die 92-Jährige aus ihrem bewegten Leben.

Langsam blättert Elsa Frei die vergilbten Seiten ihres Zivilschutzbüchleins um. Im schmalen, gelben Buch ist festgehalten, dass die gelernte Arztgehilfin ab dem Jahr 1967 freiwillig im Dienst des Schweizerischen Roten Kreuzes stand. Auch alle Weiterbildungen und Kurse, die sie besuchte, sind darin vermerkt. «Es war eine interessante Zeit für mich», erinnert sich Elsa Frei. Das Rote Kreuz hatte die Kurse für freiwillige Spitalhelferinnen im Jahr 1959 eingeführt. Es war eine von mehreren Massnahmen, um dem damals herrschenden Mangel an Pflegepersonal entgegenzuwirken.

«Die Arbeit war sehr abwechslungsreich»

Elsa Frei arbeitete jeden Morgen, wenn ihre beiden Kinder in der Schule waren, auf der Wöchnerinnenstation des ehemaligen Spitals Thalwil. Sie half den Patientinnen bei der Körperpflege, servierte ihnen Frühstück und Tee. Manchmal konnte sie als Arztgehilfin auch Verbände anlegen oder Spritzen geben. «Die Arbeit war sehr abwechslungsreich», sagt die 92-Jährige. Ihre wachen Augen leuchten, wenn sie aus vergangenen Zeiten erzählt. «Ich schätzte es sehr, neben meiner Tätigkeit als Hausfrau und Mutter auch auswärts arbeiten zu können.»

Noch heute wird sie manchmal in der Migros von Frauen angesprochen, die ihre Kinder auf die Welt brachten, als sie im Spital arbeitete. «Das sind immer ganz schöne Momente», sagt sie und lächelt, «nach all den Jahren noch erkannt zu werden.» Nebst der Freiwilligenarbeit arbeitete die tatkräftige Frau auch noch stundenweise als Arztgehilfin. War es in den 1960er-Jahren nicht eher ungewöhnlich für eine Frau, auch noch auswärts zu arbeiten? Elsa Frei lacht und schüttelt den Kopf. «Ich musste doch etwas tun! Und ausserdem arbeite ich einfach gerne mit Menschen.»

20 Jahre Dienst

Dank dem Roten Kreuz konnte Elsa Frei auch noch eine Zusatzausbildung in einem medizinischen Labor absolvieren. Während dreier Monate lebte und arbeitete die Arztgehilfin im Kurhaus Grimmialp im Berner Oberland. Das geschichtsträchtige Haus gehörte dazumal der öffentlichen Basler Krankenkasse und diente als Lungenklinik. Die junge Frau arbeitete im Labor, lernte viel über die Lungensputum-Diagnostik und Blutbilder. «Danach war ich sattelfest in der Materie», sagt sie rückblickend. Diese Fortbildung fiel zu dieser Zeit ebenfalls in die Zuständigkeit des Schweizerischen Roten Kreuzes. Erst später, Mitte der 1970er-Jahre, änderte sich dies und die verschiedenen Berufsausbildungen der Gesundheitsberufe gingen über rund drei Jahrzehnte hinweg schrittweise in die Kompetenz des Bundes über. Im Jahr 1986 wurde Elsa Frei nach knapp 20 Jahren mit Dank für die geleisteten Dienste aus der Zivilschutzorganisation Thalwil entlassen.

Dem Roten Kreuz treu geblieben

Doch dem Roten Kreuz bleibt sie auch nach ihrer aktiven Zeit verbunden. Einerseits als Spenderin, anderseits als Notruf-Kundin. Seit einer schweren Krankheit hat die ansonsten vitale Frau mit gelegentlichem Schwindel zu kämpfen. «Da ich allein lebe, habe ich mit dem Notruf-Knopf vorgesorgt», erklärt sie. Bald 30 Jahre sind es nun her, seit ihr Mann kurz nach seiner Pensionierung verstorben ist. «Das war ein schwerer Schlag», erinnert sie sich. «Ich musste mein Leben komplett neu ausrichten.» Doch das ist ihr gelungen. «Ich habe ein gutes Leben», sagt sie heute. Ihre Zufriedenheit ist spürbar. Der grosse Schrebergarten, den sie seit 30 Jahren bewirtschaftet, beschert ihr viel Freude. «Ich mag die Arbeit mit den Händen», erklärt die rüstige Dame. Ausserdem schätzt sie die Gemeinschaft. «Durch den Garten komme ich mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt.» Am Wochenende treffen sich die Gartenfreunde für einen Schwatz oder bräteln gemeinsam. «Das ist für mich Lebensqualität», sagt Elsa Frei.

Nebst dem Garten ist sie auch noch im Thalwiler «Lismi-Verein» aktiv und plant, bald wieder dem Wanderverein beizutreten. Und dann ist da natürlich noch ihre grosse Familie, die ihr sehr wichtig ist. Ihr Sohn, 65, und die Tochter, 62, kommen viel zu Besuch – oft in Begleitung der Enkelkinder und mittlerweile auch bereits der Urenkel. «Es ist immer etwas los», sagt Elsa Frei und lächelt. «Langweilig wird es mir noch lange nicht.»

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