Pontesano

Im Nähatelier

Ausgabe 1 / 2021
Die Rotkreuz-Freiwillige Luz verbringt Zeit mit Pontesano Klientin im Nähatelier.
Zu zweit geht es besser: Dank Unterstützung von einer Freiwilligen entdeckt eine junge Klientin im Nähatelier ein erfüllendes Hobby. Gemeinsam entstehen tolle Handarbeiten.
Yolanda ist erst Mitte 20, aber durch ihre Krankheit in ihrem Alltag enorm eingeschränkt. Meist geht sie nur für Einkäufe oder Termine aus dem Haus. Sie hat wenig Kontakte, lebt daheim bei ihren Eltern und ist psychisch beeinträchtigt auf eine Weise, wie viele Menschen es sich nicht vorstellen können. Ihre Krankheit macht sie ängstlich und verunmöglicht Freundschaften und Aktivitäten mit Gleichaltrigen, wie es für die meisten in ihrem Alter üblich ist.

Es ist ihr deswegen bisher nicht gelungen, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. Luz aus Peru hat Freiwilligenerfahrung und ist ein sehr vertrauenerweckender, feinfühliger Mensch. Sie hat als Flugbegleiterin gearbeitet und als Pflegeassistentin. Aktuell besucht sie den Lehrgang Pflegehelfer/-in SRK. Für Yolanda, deren Namen und einige Einzelheiten wir aus Datenschutzgründen hier geändert haben, genau die richtige Person, um ihr einen Ausgleich und sozialen Austausch zu ermöglichen.

Zusammen Neues entdecken

Angefangen hat es mit einer Anmeldung bei Pontesano durch eine Tagesklinik, wo Yolanda Patientin war. Pontesano ist ein Besuchs- und Begleitdienst des Zürcher Roten Kreuzes. Als sich Luz als Freiwillige meldete, schien sie der Pontesano-Koordinatorin eine geeignete Begleiterin für Yolanda zu ein. Sie machte die beiden bekannt. Das Tandem startete anfangs mit Gesellschafts- und Kartenspielen. Im Lockdown vergangenen März begannen sie, gemeinsam in Online-Treffen Schmuck aus Garn zu kreieren, und schickten sich gegenseitig Fotos zu. Yolanda hatte Talent und es bereitete beiden Freude. Luz erzählt: «Ich helfe einfach gerne und es macht mir Spass.» Als das Garn ausging, aber die Geschäfte zu waren, konnte die Rotkreuz-Koordinatorin für die beiden neues organisieren.

Nachdem es die Corona-Situation im Sommer wieder erlaubte, unternahmen Luz und Yolanda einen Besuch in einer Bibliothek. Da entdeckten sie Nähmaschinen, die man kostenlos benutzen darf, und ihre neue Leidenschaft und Begabung: Nähen. Zeitgemäss starteten sie mit dem Nähen von Masken. Sie treffen sich nun seit bald einem Jahr zwei bis drei Mal monatlich und es entstehen immer wieder Projekte, die Yolanda viel bedeuten und es ihr ermöglichen, trotz ihrer Krankheit aktiv zu sein. Leider war es nicht möglich, Yolanda zu interviewen. Mit ihrem Einverständnis aber durften wir hier ihre Rotkreuz-Geschichte erzählen. Sie wünscht sich, dass es andere ermutigen möge, Unterstützung anzunehmen und gleichzeitig Freiwillige animiert, sich für psychisch Erkrankte zu engagieren.