Jugendrotkreuz

Zirkusluft schnuppern

Ausgabe 4 / 2021
Kinder dürfen dank Spendern und dem Jugendrotkreuz Zirkusluft schnuppern.
Dank grosszügigen Rotkreuz-Spenderinnen und -Spendern konnten daheimgebliebene Kinder eine faszinierende Ferienwoche voller Träume erleben, neue Erfahrungen sammeln und ihre Talente entdecken.

«Chinde, chömed nöcher, es fangt a!» Ein Donnerstagmorgen im August in Opfikon zur Ferienzeit. 55 Kinder sind eingetrudelt, gebracht von Eltern, Grosseltern oder Bekannten, mit und ohne Geschwister oder Gspändli. Erwartungsvoll, aber noch etwas zurückhaltend stehen oder tänzeln sie herum, eine bunt gemischte Schar Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse. Nach Aufforderung der Zirkusartistinnen und -artisten springen sie los, hinein ins Zirkuszelt: Der Tag kann beginnen.

Faszinierende neue Welt

«Hereinspaziert alle Clowns, alle Akrobatinnen, die Musikgruppe, alle Tuchartistinnen, Zauberinnen, Seilläufer und alle Jongleure!» Die Kinder sitzen schliesslich als Zuschauende auf den Holzbänken, während fünf «Pipistrelli» sie mit einer Geschichte in ihren Bann ziehen. Mit Saxofon, Keyboard und Gitarrenklängen machen die fünf Lärm für ein imaginäres Raumschiff, damit es abheben kann. Die Kinder klatschen begeistert mit. Im Publikum sind auch elf Freiwillige des Zürcher Jugendrotkreuzes (JRK), die bei der Ferienwoche tatkräftig mithelfen.

Nach diesem kurzen Intro im Zirkuszelt geht es los. Jedes Kind hat bereits anfangs Woche seine Lieblingsdisziplin gewählt und übt begeistert in seiner Kleingruppe. Einige gehen zum Üben zu Fuss in die Turnhalle ins nahe gelegene Schulhaus Leutschenbach in Zürich-Oerlikon, andere trainieren draussen im Schatten Spagat oder Handstand, und die Musikgruppe übt ihren Part an den Instrumenten im Zirkuszelt. Die Kinder können in der Ferienwoche aus ihrer eigenen Haut schlüpfen und in die faszinierende Zirkuswelt eintauchen.

In jeder Gruppe sind ein oder zwei JRK-Freiwillige dabei und eine Artistin oder ein Artist, welche die Kinder anleiten, motivieren und Mut machen. Manches gelingt nicht gleich so wie gewünscht, aber auch wenn es gar einmal blaue Flecken oder Tränen gibt: Die Begeisterung ist riesig. Ein elfjähriges Mädchen beispielsweise möchte unbedingt auch nach der Zirkuswoche am Luftring weitertrainieren. Aber auch musikalisch sind die Kinder inspiriert: Ein Mädchen der Musikgruppe erzählt, dass es jetzt ein Instrument lernen möchte.

Ein besonderes Erlebnis

Beim JRK dürfen die Kinder den Alltag hinter sich lassen und einfach nur Kinder sein. Viele, die bei Aktivitäten des JRK mitmachen, kommen aus Familien mit finanziell schwierigen Verhältnissen. Ferienangebote wie die Zirkuswoche mit dem Circolino Pipistrello sind deshalb ein grosses Highlight. Organisiert und begleitet wurde die Projektwoche zusammen mit der Quartierarbeit Opfikon, dem Gemeinschaftszentrum (GZ) Seebach und natürlich von Pipistrello selber. Von den teilnehmenden Kindern war knapp die Hälfte dank dem Zürcher Roten Kreuz dabei. Über 200 Spenderinnen und Spender ermöglichten ihnen die Teilnahme und übernahmen die Kosten. Sie hatten auf einen Aufruf hin eigens für die Ferienwoche gespendet.

Der Circolino Pipistrello wurde 1981 als Mitspielzirkus gegründet. Bis heute bietet er ein besonderes Erlebnis, bei dem man tatkräftig mit anpackt und über sich hinauswachsen kann. Die Kinder helfen am ersten Ferientag mit beim Zeltaufbau, danach erarbeiten sie in Workshops gemeinsam Zirkusnummern, suchen Kostüme aus, schminken sich die Gesichter und präsentieren als Abschluss eine bunte Zirkusvorstellung. Die «Pipistrelli» und die JRK-Freiwilligen ermutigen die frischgebackenen Artistinnen und Artisten, Neues auszuprobieren, beziehen Ideen der Kinder mit ein und fördern das Gruppenbewusstsein. Die jungen Freiwilligen vom JRK kochen ausserdem täglich ein feines Zmittag und übernehmen auch die Pausen- und Freizeitbetreuung der Kinder ausserhalb der Workshops.

Jeder Tag bringt neue Erlebnisse. Am Mittwoch nach dem Schminken dürfen sie die öffentliche Pipistrello- Show besuchen. Aber auch der Donnerstagnachmittag ist schnell vorbei. Nach dem Zmittag leiten die Freiwilligen Fangis, Versteckis und andere Bewegungsspiele an, danach steht noch einmal der Zirkus-Workshop auf dem Programm. Glücklich geht’s an diesem Abend nach Hause, bereit, am nächsten Tag an der Generalprobe mitzumachen und in der abendlichen Abschlussvorstellung den Eltern und Angehörigen zu zeigen, was sie alles gelernt haben.

Grenzen auflösen

«Die Zusammenarbeit mit allen Partnern ist Gold wert», erzählt Johannes Küng, Beauftragter für Quartier- und Freiwilligenarbeit der Stadt Opfikon. Im Auftrag der Gemeinde kümmerte er sich um die Organisation der Ferienwoche, Bewilligung, Strom und Wasser für den Standort im Glattpark. Die Stadt Zürich stellte die Leutschenbach-Turnhalle gratis zur Verfügung, das GZ Seebach die Küche. Das JRK ermöglichte den Zugang zu Kindern aus benachteiligten Familien über die Gemeindegrenzen hinaus, zum Beispiel im nahen städtischen Leutschenbach- Quartier. «Opfikon am Stadtrand der Grossstadt Zürich kann so mehr Kinder aus allen sozialen Schichten erreichen. Nicht nur die Kinder wachsen über ihre Grenzen hinaus, sondern auch die Projektwoche selbst löst Grenzen auf – sozial wie geografisch.» Ein rundum gelungenes Projekt – die Kinder waren begeistert, und einige versprachen voller Vorfreude, im nächsten Jahr wiederzukommen.