Rotkreuz-Vorstand

Arzt, Vater, Vorstandsmitglied

Ausgabe 1 / Februar 2019
Johannes Trachsler
Johannes Trachsler ist stellvertretender Chefarzt am Institut für Nephrologie. Dort kümmert er sich um Nierenerkrankte.
Familienzeit und Kindertag, Arztvisiten und Rotkreuz-Vorstandsarbeit – das alles passt in eine Woche von Johannes Trachsler. Im Vorstand des SRK Kanton Zürich engagiert er sich aus Überzeugung. Geld verdienen tut er dabei nicht – das Ehrenamt ist ihm eine Herzensangelegenheit.

«Das Gesundheitssystem in der Schweiz ist sehr dicht und gut», sagt Johannes Trachsler, stellvertretender Chefarzt am Triemli- und am Waidspital. «An den Rändern jedoch, wo die eigentliche medizinische Betreuung aufhört und das Soziale anfängt, besteht Bedarf. Das erlebe ich im Job und im eigenen Umfeld. Manchmal muss ich Patienten mit einem unguten Gefühl nach Hause gehen lassen – sie sind zwar medizinisch gut versorgt, aber allein und vom Alltag überfordert.»

Dialysepatienten zum Beispiel haben oft mehrere gesundheitliche Probleme und daher manchmal Mühe, die komplexe und aufwendige Behandlung neben den übrigen alltäglichen Anforderungen zu bewältigen. Deshalb findet Johannes Trachsler Angebote und Projekte im Gesundheitsumfeld, wie sie das Zürcher Rote Kreuz anbietet, sehr wichtig. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Rotkreuz-Fahrdienst: Im Spital ist die medizinische Behandlung perfekt geregelt – aber wie komme ich als Patient dahin? Hier hilft der Fahrdienst.

Alles gut organisiert

Als der Arzt 2017 von Vorstandsmitglied und Vizepräsident Matthias Mölleney für das Ehrenamt angefragt wurde, war seine Motivation von Anfang an sehr gross. Zum nötigen Zeitbedarf jedoch musste sich der Vater von vier Kindern erst Gedanken machen. «Ich habe es mit meiner Frau und meinem Vorgesetzten besprochen. Da ich 80 Prozent arbeite und Wochenenddienste auch kompensieren kann, geht es dank einer guten Organisation sowie der Unterstützung meiner Familie und der Arbeitskollegen sehr gut.» Wenn der Arzt an seinem arbeitsfreien Tag daheim «Kindertag» hat und an eine Sitzung gehen muss, bevor seine Frau – ebenfalls Ärztin – von der Arbeit nach Hause kommt, kümmern sich Nachbarn oder seine Mutter um die Kinder. Und an Arbeitstagen übernehmen die Kollegen, wenn er früher gehen muss.

«Bedarf sehe ich da, wo die eigentliche medizinische Betreuung aufhört und das Soziale beginnt.»
Johannes Trachsler, Arzt und Vorstand SRK Kanton Zürich

«Das Amt bringt eine grosse Verantwortung mit sich», meint Johannes Trachsler. Da habe er sich natürlich auch überlegt, ob er diese überhaupt wahrnehmen könne. Die professionelle Struktur der Organisation und die motivierten Vorstandskolleginnen und -kollegen hätten ihn jedoch überzeugt. «Die sieben Vorstandsmitglieder und die Präsidentin, Barbara Schmid-Federer, sind alle sehr kompetent. Ich vertraue ihnen, und die Zusammenarbeit macht Freude.»

Dass die Vorstandstätigkeit ein Ehrenamt ist, ist für ihn selbstverständlich. Das Zürcher Rote Kreuz vergütet nur Reisespesen und ein bescheidenes Sitzungsgeld, beispielsweise für eine ganztägige Retraite – für die der Arzt jeweils frei nehmen muss – 150 Franken. Erstaunt sei er gewesen, wie komplex und facettenreich die Rotkreuz-Tätigkeiten seien. Um diese kennenzulernen, braucht es Zeit. Entsprechend sieht er sein Engagement langfristig. Im Vorstand ist er Ansprechperson für die Angebote im Bereich der Gesundheitsversorgung und kann mit lokalem medizinischem Know-how unterstützen. Einsetzen möchte er sich dabei speziell für die Weiterentwicklung und für neue Projekte.