Interview

Bildung ermöglicht Perspektiven

Ausgabe 2 / April 2019
CHECK-IN SRK – Gruppenarbeit im Unterricht
Das CHECK-IN SRK bietet eine optimale Vorbereitung für den Berufseinstieg. Im Bild: Schülerinnen des Schuljahrs 2017/2018 bei einer Gruppenarbeit.
Susanna Lichtensteiger, Leiterin Bildungszentrum, über Herausforderungen, Herzensangelegenheiten und die stetige Weiterentwicklung der Bildungsangebote.

Was bewegte das SRK-Bildungszentrum in Winterthur 2018?

Susanna Lichtensteiger: Zu Beginn des Jahres beschäftigte uns die Balance von Angebot und Nachfrage. Die Situation hatte auch ihr Gutes, wir gewannen durch die vertiefte Analyse wichtige Erkenntnisse, einige Prozesse konnten noch besser aufeinander abgestimmt werden und neue Kurse wurden entwickelt und ausgeschrieben. Nach den Sommerferien beschäftigte uns die Neukonzeption des Brückenprogramms CHECK-IN SRK, das wir im Auftrag des Amts für Wirtschaft und Arbeit durchführen.

Welche Bildungsangebote liegen Ihnen besonders am Herzen?

Alle unsere Angebote liegen mir aus verschiedenen Gründen enorm am Herzen. Aber allen gemeinsam ist, dass sie den Absolvierenden «Wissen fürs Leben» und daher neue Lebensperspektiven ermöglichen: in unseren Brückenangeboten für stellenlose Jugendliche den Start in eine Berufslehre, den Absolvierenden des Lehrgangs Pflegehelferin/Pflegehelfer SRK oder Nanny SRK Kanton Zürich© den Berufseinstieg in ein neues Arbeitsfeld oder den Babysittern ihren ersten «Freizeit-Job».

Was ist Ihnen als Leiterin ein besonderes Anliegen?

Das Bildungszentrum soll ein Ort sein, wo positive Lern- und Beziehungserfahrungen gemacht werden können und Entwicklung angeregt wird. Egal ob alt oder jung, Lernen ist bei den meisten Menschen eine emotionale Angelegenheit. Je nachdem, wie die Schulzeit erlebt und welche Lernerfahrungen gemacht wurden, hat sich eine Einstellung zur «Schule» und zum Thema «Lernen» entwickelt und festgesetzt. Bereits sehr junge Menschen bringen Lernüberzeugungen von «nicht können» mit: «Mathe konnte ich noch nie» oder «auswendig lernen liegt mir gar nicht». Diese Überzeugungen prägen und steuern unsere Entwicklungsmöglichkeiten und stellen unsere Lehrpersonen immer wieder vor grosse Herausforderungen in der Gestaltung der Lerneinheiten und der Klassenführung.

Was ist Ihr «Rezept», damit Lernen gelingt?

Wir sind überzeugt, dass der Beziehungsaspekt zwischen Lehrperson und Lernenden der Schlüssel zu einer gelingenden Lernerfahrung sein kann. Wir gewinnen Vertrauen in uns selber und wagen eine Entwicklung. Daher wird in unseren Jugendprogrammen wie auch in den Lehrgängen für Erwachsene darauf grossen Wert gelegt. Mich freut, dass diese Lern- und Arbeitskultur sehr deutlich gelebt und wahrgenommen wird und von Lernenden jeglichen Alters wie auch von Lehrpersonen sehr geschätzt wird.

Was bereitet Ihnen eher Kopfzerbrechen?

Die Forderung nach Digitalisierung in der Bildung macht auch vor dem «BZ» nicht Halt und wird uns die nächsten Jahre beschäftigen. Das Angebot ist enorm gross und wächst stetig. Hier gilt es, eine kluge Strategie zu entwickeln, sehr sorgfältig abzuwägen, wer von welchen Investitionen den grössten Nutzen haben wird und worin investiert werden soll.

Welche Neuerungen gibt es 2019?

In fast jedem Bereich gibt es Entwicklungen. Für die Absolvierenden unserer Brückenangebote beginnen wir mit dem Aufbau des neuen Programms «Lehrbegleitung SRK». Damit möchten wir die Jugendlichen unterstützen, dass sie ihre Berufslehre nicht nur antreten, sondern auch erfolgreich abschliessen können. Auch die Umsetzung der Neukonzeption des CHECK-IN SRK wird uns beschäftigen.

2019 dürfen wir zudem das 10-Jahr-Jubiläum des Nanny- Lehrgangs feiern. Ich bin sehr stolz, dass sich dieses Bildungsangebot über die Jahre etablieren konnte. Das Team des Lehrgangs Pflegehelferin/Pflegehelfer SRK ist mit der Umsetzung des neuen Lehrplans gefordert. Im Kurs Babysitting sind wir gespannt auf die neue Babysitting-App und wie diese bei den jugendlichen Kursbesucherinnen und -besuchern ankommt. Kurz: Bildungsangebote erfordern eine stetige Evaluation und Weiterentwicklung und sind nie «fertig».