Von Sonja Geissmann

Eine Freiwillige springt ein

Ausgabe 1/ 2017
Die meisten von uns möchten möglichst lange unabhängig bleiben und in den eigenen vier Wänden wohnen. So auch Silvia Kaspar, die auf einen Rollator angewiesen ist. Nach einem nächtlichen Sturz entschied sie sich für den Rotkreuz-Notruf. Da keine Angehörigen oder Bekannte in unmittelbarer Nähe wohnen, steht ihr eine Rotkreuz-Freiwillige bei einem Notfall zur Seite.

Der Ausblick vom Balkon im 12. Stock zum Üetliberg und über die Stadt ist herrlich. Es erstaunt wenig, dass Silvia Kaspar seit 20 Jahren gerne im selben Wohnblock unweit des Albisriederplatzes in Zürich wohnt und noch möglichst lange dableiben möchte. In ihrem Daheim fühlt sich die 66-Jährige gut aufgehoben. Alles Wichtige wie Einkaufsmöglichkeiten, der öV und das Altersheim, wo sie täglich zu Mittag isst, sind einfach zu erreichen. 

Silvia Kaspar kam ohne rechtes Hüftgelenk auf die Welt. In ihrer Kindheit und Jugend musste sie viele Operationen durchmachen. Mit 45 Jahren erhielt sie ein künstliches Hüftgelenk. Bis vor einem Jahr war sie mit Gehstöcken unterwegs, seither mit einem Rollator. 

Vor einem Jahr geschah es: Sie stürzte bei einem nächtlichen Toilettengang. Die Pro Senectute empfahl ihr daraufhin den Rotkreuz-Notruf. «Eine irrsinnig gute Sache ist das», findet Silvia Kaspar. «Es ist beruhigend zu wissen, dass jemand vorbeikommt und hilft, wenn etwas passiert.»

Sicherheit im Notfall

Drückt Silvia Kaspar auf den Knopf ihres Notrufarmbands, geht ein Alarm bei der 24-h-Notrufzentrale des Roten Kreuzes ein. Eine Fachperson entscheidet im direkten Austausch mithilfe einer Fernsprechanlage, ob eine von der Notrufkundin angegebene private Kontaktperson für eine erste Abklärung vor Ort vorbeigehen soll oder ob eine medizinische Intervention, zum Beispiel der Rettungsdienst, nötig ist. 

Silvia Kaspar konnte anfangs als Kontaktperson eine Nachbarin angeben. Vor einem halben Jahr bekam diese allerdings selber gesundheitliche Probleme. Die Angehörigen wohnen zu weit weg, um in einem Notfall möglichst schnell vor Ort zu sein, und ein guter Bekannter, der wöchentlich den Einkauf erledigt und ihr Alltagsarbeiten abnimmt, hat ebenfalls einen zu weiten Anfahrtsweg. Da konnte ihr das Zürcher Rote Kreuz helfen und eine Rotkreuz-Freiwillige in der Nachbarschaft vermitteln, die nun im Fall eines Notrufs als Erstes kontaktiert wird. Die Freiwillige war seither schon ein paarmal bei Silvia Kaspar zu Hause. Zum guten Glück aber nicht für einen Einsatz, sondern um bei einem Tee den spannenden Erzählungen aus dem Leben der Pensionärin oder über das Zürich von früher zu lauschen. 

Für die Nachbarin oder den Nachbarn da sein 

Viele ältere und allein lebende Menschen verlassen sich zu Hause auf den Rotkreuz-Notruf. In einem Notfall bietet die 24-h-Rotkreuz-Notrufzentrale sofort eine Kontaktperson aus dem privaten Umfeld oder den professionellen Interventionsdienst auf. Um Rotkreuz-Notruf-Kunden in der Stadt Zürich, die keine Kontaktperson in ihrer Nähe haben, kümmern sich Freiwillige aus der Nachbarschaft. Das Zürcher Rote Kreuz sucht dafür einfühlsame Personen, die gerne Menschen in ihrer Nachbarschaft helfen und im Notfall als freiwillige Kontaktperson für sie da sind.

Interessierte melden sich telefonisch unter 044 388 25 25