Mit Herz unterwegs

Eine kleine Fahrdienstgeschichte

Ausgabe 1 / 2020
Eine kleine Fahrdienstgeschichte
Margrit Fäh* hat eine chronische Krankheit. Stefan Natterer fährt gern Auto und hat Zeit zum Helfen.
«Der Fahrdienst entlastet mich enorm», erzählt Margrit Fäh aus Zürich. Sie wohnt in einer Alterssiedlung in Altstetten. Sie strahlt Ruhe und Freundlichkeit aus, nie würde man denken, dass sie an einer schweren Krankheit leidet. «Das ist ein Vorteil», meint sie, so werde sie nicht stigmatisiert. Es hat allerdings auch Nachteile, denn sie ist auf rücksichtsvolle Mitmenschen angewiesen, und man sieht nicht sofort, dass sie Hilfe benötigt. Beim Rotkreuz- Fahrdienst weiss sie, dass sie darauf zählen kann. «Ich bin sehr froh, wenn ich unten beim Hauseingang erwartet werde, in meinem Tempo gehen kann und mir die Tasche beim Einsteigen abgenommen wird.» Über ihre Krankheit spricht sie nicht gern. Aber sie hat einen Herzenswunsch: Sie wünscht sich, noch einmal in Kappel am Albis einen Kaffee zu trinken. Weil sie an den Ort so schöne Erinnerungen hat. Allein dahinzureisen aber traut sie sich nicht mehr zu.

«Man lernt viele interessante Menschen kennen», sagt Stefan Natterer. Er ist seit über einem Jahr freiwilliger Fahrer beim Rotkreuz-Fahrdienst. In einer Phase der beruflichen Neuorientierung suchte er eine soziale Aufgabe als Freiwilliger, bei der er andern Menschen helfen kann. So stiess er damals auf die Website vom Zürcher Roten Kreuz, wo Freiwillige für den Fahrdienst in der Stadt Zürich gesucht wurden. Er meldete sich, und seither fährt er in seiner Freizeit Patientinnen und Patienten wie Margrit Fäh ins Spital oder zur Therapie, wartet dort, bis der Termin zu Ende ist, und fährt sie wieder zurück nach Hause. Manche seien eher still oder nach einer Therapie auf dem Heimweg erschöpft. Andere leben einsam und geniessen es, wenn sie viel erzählen können und ihnen jemand interessiert zuhört. Stefan Natterer ist für alle da und nimmt jede Situation gelassen. 
«Man lernt viele interessante Menschen kennen.»
Stefan Natterer

Hilfsbereit und sicher im Strassenverkehr​

Der Freiwillige fühlt sich sicher im Stadtverkehr und hat ein eigenes Auto. Das ist eine Voraussetzung für diese Tätigkeit – und dass man Zeit hat. «Mit einer Fahrt ist schnell mal ein Nachmittag ausgefüllt», sagt er. Das mache ihm aber nichts aus, die Fahrgäste seien sehr dankbar und das gebe ihm viel zurück. Ausserdem fährt er gern Auto – er kann sich sogar vorstellen, beruflich als Chauffeur zu arbeiten. Es würde ihm auch nichts ausmachen, einmal privat an einem Wochenende nach Kappel im Knonauer Amt zu fahren, um Margrit Fäh ihren Herzenswunsch zu erfüllen und sie zum Kaffee einzuladen – denn der Rotkreuz-Fahrdienst organisiert aus Kapazitätsgründen in erster Linie medizinische Fahrten.

Sobald ihre medizinischen Termine bekannt sind, meldet Margrit Fäh diese telefonisch beim Rotkreuz-Fahrdienst. Dann sucht die Einsatzleitung per E-Mail oder telefonisch einen Fahrer wie Stefan Natterer, der die Fahrt übernehmen kann. Aufgrund der grossen Nachfrage und damit frühzeitig ein freiwilliger Fahrer angefragt werden kann, ist es gut, einen Termin möglichst früh zu melden. Die nächste medizinische Fahrt für Margrit Fäh wird nicht Stefan Natterer übernehmen, da er dann in den Ferien sein wird. Sie kann aber sicher sein, dass der Fahrer oder die Fahrerin darüber informiert sein wird, dass sie Unterstützung benötigt und ihr beim Einsteigen geholfen wird.

*Name geändert

Freiwillige gesucht

Fahren Sie gerne Auto?
Haben Sie ein eigenes Auto, etwas Zeit, wohnen im Kanton Zürich und möchten Sie andern helfen? Werden Sie in Ihrer Wohngemeinde freiwilliger Fahrer oder freiwillige Fahrerin für das Rote Kreuz und begleiten Sie Menschen, die selber nicht mehr so mobil sind!

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