Adam Cianciara

«Man muss nicht ausserordentlich sein, um etwas zu bewegen»

Ausgabe 3 / Juli 2017
Adam Cianciara ist Freiwilliger beim Zürcher Roten Kreuz, 31 Jahre alt und aus Polen. Hier erzählt er über seine Motivation für sein soziales Engagement «der etwas anderen Art»: nämlich nicht im direkten im Kontakt mit Benachteiligten, sondern in der Administration des Zürcher Roten Kreuzes. Stine Rusbjerg Guldager aus Dänemark, ebenfalls Freiwillige, hat das Gespräch mit Adam Cianciara geführt und aufgezeichnet.

Ich wollte mein Talent und meine Zeit nicht vergeuden

Als ich nach Zürich kam, hatte ich keine Arbeit, wenig Freunde und viel zu viel freie Zeit. Deshalb kontaktierte ich das SRK Kanton Zürich, um neue Personen zu treffen und meine Zeit sinnvoll einzusetzen. Als frisch Zugezogener muss man sich ein neues Netzwerk aufbauen. Zu meinem Glück wurden die Mitarbeitenden des Zürcher Roten Kreuzes langsam meine Freunde und Teil meines Netzwerkes.

Freiwilligenarbeit beruhigt mich

Die Arbeit von Hilfswerken interessierte mich schon immer. Das Zürcher Rote Kreuz liess mich unter den Aufgaben, bei denen sie Hilfe brauchten, auswählen. Glücklicherweise war es einfach eine Tätigkeit zu finden, die sich mit meinem Wissen und  Können überschneidet. So half ich der Fundraising Abteilung mit Recherchen, Spender- und Stiftungssuchen, Aktualisierungen der Datenbank und praktischen Aufgaben im Büro oder an Veranstaltungen. Meine Arbeit war sehr flexibel und fand in einem angenehmen Umfeld statt. Freiwilligenarbeit ist wie ein Hobby für mich – sie beruhigt mich.

Ich mache genau hier einen Unterschied

Die Welt scheint zurzeit sehr instabil. Da fühlt es sich gut an, auf meine eigene kleine Art und Weise den Menschen helfen zu können, die es am meisten benötigen. Ich kann an einem Tisch sitzen, meinen beruflichen Hintergrund und meine Erfahrung nutzen und an Aufgaben arbeiten, die mich interessieren – d.h. ich gebe einfach meine Zeit und kann so bedürftigen Menschen helfen. Ich finde es faszinierend, wie viele Gesichter Freiwilligenarbeit hat.

Was ist ein Zoo?

Ich hatte einige lustige Begegnungen mit der deutschen Sprache beim Zürcher Roten Kreuz. Einmal verstand ich das deutsche Wort «Zoo» nicht und verkündete lauthals, dass ich sicher noch nie in einem Zoo war. Als mir dann meine Kollegen geduldig von den Tieren in den Gehegen erzählten, war ich sehr verlegen. Natürlich weiss ich, was ein Zoo ist – und jetzt sogar auf Deutsch!

Es ist nie zu spät, um etwas zu lernen

Ich habe viel gelernt bei meinen Freiwilligeneinsätzen fürs Rote Kreuz Zürich. Ich konnte mein Deutsch verbessern und habe auch einiges von der Schweizer Kultur mitbekommen. Darüber hinaus habe ich viel gelernt über das Schweizer Steuersystem, Politik und Fundraising. Dies war ein grosses und unerwartetes Plus und half mir, eine bezahlte Anstellung bei einen anderen Hilfswerk zu finden.

Jeder kann etwas tun

Wenn man Freiwilligenarbeit leisten möchte, ist es wichtig, eine passende Aufgabe für sich zu finden. Ausserdem ist es wichtig zu wissen, dass man kein Übermensch sein muss, um für andere etwas Gutes zu tun. Jeder kann etwas bewirken!

Mein Ratschlag an andere ist: Denke über Freiwilligenarbeit nicht als riesige Sache nach. Mach es einfach!

Das Gespräch geführt hat Stine Rusbjerg Guldager. Stine Rusbjerg Guldager stammt aus Dänemark. Seit 2015 unterstützt sie den Bereich Marketing und Kommunikation des SRK Kanton Zürich. Stine Rusbjerg Guldager lebt mit ihrer Familie in Zürich. Sie hat einen Master in Rhetorik an der Universität Kopenhagen absolviert und arbeitet nun hauptsächlich als Freelancerin im Bereich strategische und visuelle Kommunikation.