Pontesano

Für jemanden da sein

Ausgabe 2 /2019
Klientin des Besuchs- und Begleitdienst Pontesano
Miriam Kugler* beanspruchte in einer schwierigen Zeit den Besuchsdienst Pontesano. Heute geht es ihr wieder gut. Als Freiwillige besucht sie nun ihrerseits Menschen, die sich wie sie damals in einer belastenden Lebenssituation befinden.

Miriam Kugler, 54, erhielt vor über 30 Jahren, kurz nach der Lehre, die Diagnose Multiple Sklerose (MS). So war sie schon als junge Erwachsene gezwungen, sich auf ein Leben mit weitreichenden gesundheitlichen Einschränkungen einzustellen. Sie ist heute auf den Rollstuhl angewiesen. Jahrelang hat sie dies mit einer unglaublich positiven Einstellung gemeistert. Bis als Folge ihrer Erkrankung mehrere Operationen anstanden. Gleichzeitig starben kurz hintereinander ihre Eltern und ihr Bruder. Das war eine psychisch sehr belastende Zeit. «Ich habe mich daheim eingeschlossen. Vor allem tagsüber war es schlimm. Meine Bekannten arbeiten oder haben Kinder und daher nur wenig Zeit. Den ganzen Tag in diesem Zustand allein in der Wohnung zu sein, war furchtbar. Ich hatte das Gefühl, alles sei über mir zusammengebrochen.»

«Die Schmerzen durch die Krankheit waren schlimm. Damit kam ich zurecht. Was viel mehr schmerzte und kaum zum Aushalten war, war das Alleinsein.»
Begünstigte des Besuchs- und Begleitdienstes Pontesano

Die Psychologin stellte ihr das Angebot Pontesano vom Zürcher Roten Kreuz vor. Der Besuchs- und Begleitdienst ist spezialisiert auf Menschen, die psychisch belastet oder erkrankt sind und allein leben. Freiwillige ermöglichen sozialen Austausch und gemeinsame Unternehmungen. «Wenn regelmässig jemand tagsüber vorbeikommen würde, das wäre gut», meinte Miriam Kugler zu ihrer Psychologin.

Das Rote Kreuz fand daraufhin eine junge Frau, die die Liebe aus Spanien in die Schweiz geführt hatte. Als ausgebildete Pflegekraft musste sie ihr Deutsch verbessern, bevor sie eine Stelle suchen konnte. So hatte die Freiwillige viel Zeit, Miriam Kugler daheim zu besuchen. «Es war eine Art Aufwecken», sagt Miriam Kugler im Nachhinein. Die wöchentlichen Besuche gaben ihr Energie, die junge Frau erzählte von ihrem Leben und brachte Abwechslung.

Viele Monate kam die junge Frau regelmässig vorbei, und langsam ging es Miriam Kugler wieder besser. Mittlerweile geht es ihr psychisch wieder gut. Sie hat gute, funktionierende soziale Kontakte und ist selbstständig. Wovon sie nach wie vor sehr viel hat, ist: Zeit. Und diese möchte sie nutzen, um andern etwas zurückzugeben. Deshalb hat sie sich bei Pontesano als Freiwillige gemeldet.

Eine ehemalige Klientin, die später Freiwillige wird, ist zwar ungewöhnlich, aber sehr erfreulich. Sie wird nun eine ältere Dame besuchen, die isoliert lebt und aufgrund ihrer psychischen Erkrankung fast kein soziales Umfeld mehr hat. «Ich habe keine Erwartung gegenüber dieser Person und möchte einfach für sie da sein. Wenn jemand gefangen ist in sich selber und trotzdem jemanden hat, der oder die ihn besucht und ihm zuhört, ist das viel wert.»

*Name geändert