Jugendrotkreuz

Lesen für andere

Ausgabe 1 / 2020
Lesen für andere - Lesen für das Jugendrotkreuz
Debra Fesslmeier ist seit über einem Jahr Freiwillige für das Jugendrotkreuz des Kanton Zürichs. Die 25-Jährige liest Menschen mit einer Sehbehinderung aus Büchern vor.

Debra, warum bist du Freiwillige geworden?

Zu Beginn war es so: Ich hatte gerade mein Biologie-Studium abgeschlossen und war auf Jobsuche. Da Freiwilligenarbeit von Arbeitgebern oft positiv bewertet wird, wollte ich auch eine solche Erfahrung ausweisen können. Inzwischen habe ich eine Festanstellung als Studienkoordinatorin im Spital Frauenfeld. Zwar wurde ich bei keinem der Vorstellungsgespräche auf mein Engagement beim Roten Kreuz angesprochen, beim Jugendrotkreuz bin ich aber geblieben, denn die Freiwilligenarbeit macht mir Spass und ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden.

Was machst du genau?

Ich engagiere mich in der Aktivität «Vorlesen» im Wohnheim Mühlehalde im Zürcher Kreis 7. Das heisst, ich lese dort den sehbehinderten Bewohnerinnen und Bewohnern regelmässig Geschichten vor.
«Es ist eine wertvolle Erfahrung. Junge können etwas fürs Leben lernen, zum Beispiel im Umgang mit Menschen. »
Debra Fesslmeier

Oft heisst es, Junge seien am Kontakt mit betagten Menschen nicht so interessiert. Was ist deine Motivation?

Ich habe keine Berührungsängste mit alten Menschen. Das kommt wohl davon, dass meine Mutter im Pflegeheim arbeitet und sich um ihren betagten Onkel kümmerte. Für mich lag am Anfang die Herausforderung eher darin, dass ich es mit Menschen zu tun habe, die eine Sehbehinderung haben. Den Umgang lernt man eben erst in der Begegnung. Meine Motivation ist wohl eine Kombination aus zwei Faktoren: Einerseits lese ich gerne und habe Freude am Vorlesen. Vielleicht hat das auch mit meinem Hobby, dem Theaterspielen, zu tun. Andererseits weiss ich, dass ich so den Menschen dort etwas Gutes tun kann.

Was ist deine schönste Erfahrung als Freiwillige?

Es ist immer schön, wenn sich die Bewohnerinnen und Bewohner am Schluss bedanken. Dieser Dank gibt uns Freiwilligen etwas zurück. Zwischen den Geschichten versuche ich auch immer wieder, Diskussionen über das Gehörte anzuregen. Wenn wir besonders lustige Geschichten lesen, dann lachen wir viel gemeinsam – auch das verbindet. Die Freiwilligenarbeit hat zudem meine Wahrnehmung von anderen Menschen verändert.

Warum sollen junge Menschen sich als Freiwillige engagieren?

Es ist eine wertvolle Erfahrung. Junge können etwas fürs Leben lernen, zum Beispiel im Umgang mit Menschen. Sie können über den eigenen Tellerrand hinausschauen und werden sich bewusst, dass es Menschen mit einem anderen Schicksal gibt. Sie erhalten durch die Tätigkeit ausserdem auch einen Einblick in verschiedene Arbeitsfelder. Mir persönlich hat die Freiwilligenarbeit auch einen neuen Kollegenkreis geöffnet, denn beim Jugendrotkreuz gibt es viele tolle, junge und engagierte Menschen.
Als Freiwillige oder Freiwilliger kannst Du bei einzelnen Aktivitäten einfach teilnehmen. Du kannst auch selber Einsätze organisieren, bestehende Aktivitäten weiterentwickeln, neue Ideen einbringen ... Wir freuen uns auf dich!