Sommerfest

Redcross Clowns berühren Kinderherzen

Ausgabe 4 / 2019
Redcross Clowns am Sommerfest vom Rotkreuz in Zürich
Schon immer war Alessandra Incarbone von Clowns fasziniert. Was sie berührt, ist die feinfühlige Begegnung von Menschen ganz ohne Sprache. Seit April 2019 ist sie freiwillige Redcross Clownin – und schenkt Kindern in schwierigen Lebenssituationen Momente voller Leichtigkeit.
Alessandra Incarbone aus Zürich ist eine von 30 Redcross Clowns. Es ist ein freiwilliges Engagement, auf das sie von einer Bekannten aufmerksam gemacht worden war. Es ist nicht ihr Beruf – aber ganz eindeutig ihre Leidenschaft, wenn sie mit strahlenden Augen von den Auftritten erzählt. «Wir haben sehr wenig Utensilien – eigentlich nur das Kostüm und die rote Nase, vielleicht noch eine Mundharmonika oder eine kleine Hupe im Hosensack.» Die Redcross Clowns haben kein festes Programm und improvisieren vor Ort, meist sind sie zu dritt oder zu viert. Sie erreichen die Kinderherzen mit Stimme, Mimik, Gesten und Geräuschen. Ganz ohne Sprache und ohne Erklärung. Vor vielen Jahren sah Alessandra in einem Werbespot einen Clown, der kranke Kinder in einem Spital ablenkte und aufmunterte. Da merkte sie: So etwas würde sie auch gerne einmal machen. Wo sie mit ganzem Herzen etwas geben, das Kindliche und die Fantasie in sich hervorholen kann. «Lachen ist mir wichtig und gehört zu mir», erzählt die freiwillige Clownin. Schon als Kind fand sie Charlie Chaplin toll. Ihr gefällt die Mischung aus Melancholie und Komik. Sie entwickelte vor einiger Zeit ihre eigene Clown-Identität: «Meine Clown-Figur heisst KiKKi und hat etwas Kindliches. Ich bin einfach sehr gern Kind oder eben auch mal kindlich», meint sie.
«Lachen ist mir wichtig und gehört zu mir»
Alessandra Incarbone
Freiwillige Redcross Clowns
Clowns fürs Rote Kreuz Redcross Clowns sind Freiwillige, die von professionellen Clowns während mehrtägiger Workshops in Social Clowning ausgebildet wurden. Sie sind regelmässig in Asyl- und Flüchtlingsunterkünften im Einsatz und bringen Ablenkung in den Alltag der dort lebenden Kinder. Die meisten haben keine entsprechende Vorerfahrung wie Alessandra. Sie besuchte neben ihrer Berufstätigkeit im kaufmännischen Bereich bereits einmal eine Clown-Schule in St. Gallen. Im Rotkreuz-Workshop habe sie dennoch viel Neues dazugelernt, auch durch den Austausch mit den andern Teilnehmenden.

Im Hier und Jetzt
Die Redcross Clowns treten nicht auf einer Bühne auf, sondern improvisieren inmitten der Kinder. «Als Clown ist für mich nur das Hier und Jetzt wichtig. Wenn ich ein Kind lachen sehe, wenn es mich sieht – dann fühle ich, dass es richtig ist, was wir tun. Ich bin sicher, wir können etwas bewirken und die Kinder behalten etwas von dem, was wir geben können, in ihren Herzen.» Aber nicht nur die Kinder lachen – Alessandra hat auch schon viele Eltern lachen sehen. Nur schon aus Freude, wenn sie ihre eigenen Kinder so unbeschwert sehen. Manche fragen, ob sie ein Foto von ihrem Kind und ihr machen dürften. «Es kommen meist rund 15 bis 20 Kinder. Das Schöne ist, dass uns die Kinder schon freudig erwarten, wenn wir wiederkommen. Viele sind sehr aktiv und neugierig. Es gibt aber auch scheue. Ein kleines Mädchen traute sich erst beim zweiten Besuch, etwas näher zu kommen.» 

Auftritte im Asylzentrum
Gab es auch schon schwierige Momente? «Wir sind bei unseren Auftritten zwischen drei und fünf Clowns. So können wir uns gegenseitig helfen, wenn zum Beispiel ein Kind etwas wegnehmen will, und die Situation gut auffangen. Schwierig fand ich beim ersten Mal die bedrückende Umgebung – ich war noch nie vorher in einem Asylzentrum. Die Räumlichkeiten empfand ich als beengend. Es hat nicht viel Platz und wenig Spielmöglichkeiten für die Kinder. Umso mehr warten sie auf unser Kommen. Überhaupt ist das Warten dort sehr spürbar – warten, bis der Tag um ist; warten, was weiter mit ihnen geschieht.» Trotz diesem traurigen Aspekt gehe sie nach einem Auftritt zwar müde, aber erfüllt nach Hause. «Ich kann die Kinder nicht befreien aus ihrer schwierigen Situation, aber ihnen auf ihrem Weg etwas mitgeben. Ich glaube sogar, dass sie sich auch viel später noch daran erinnern werden, an diese Momente der Leichtigkeit.»

Sich im Jugendrotkreuz engagieren
Wir suchen Freiwillige für Spielnachmittage, die Abwechslung in den Alltag von Kindern bringen. Hier mehr dazu erfahren!