Jubiläum

So macht Sprache üben Freude

Karin Ruckstuhl und Sharuga
Karin Ruckstuhl und Sharuga nehmen immer zuerst die Hausaufgaben in Angriff. Danach bleibt dann noch Zeit für ein Spiel – und stets wird viel gelacht und gesprochen, um das Deutsch zu üben.
«mitten unter uns» feiert in diesem Jahr sein 25-Jahr- Jubiläum. Bereits seit fünf Jahren engagiert sich Karin Ruckstuhl als Freiwillige für das Integrationsprogramm. Die Herzlichkeit und Offenheit, die sie bei ihren Gastkindern so schätzt, strahlt sie selber genauso aus.

«Mami Zwei» – Karin Ruckstuhl aus Wetzikon schmunzelt, als sie erzählt, dass Adriana sie so nannte. Das Mädchen aus Litauen ist ein ehemaliges Gastkind und besuchte sie während mehr als vier Jahren einmal pro Woche. Adrianas Mutter war alleinerziehend und berufstätig, und so wurde Karin Ruckstuhl zu einer wichtigen Bezugsperson. Adriana wohnt mittlerweile zwar ein paar Dörfer weiter weg. «Aber wir sind immer noch in Kontakt – das ist sehr schön», meint die Wetzikerin.

Auch ausserhalb der Schule Deutsch üben

Ziel von «mitten unter uns» ist es, dass fremdsprachige Kinder auch ausserhalb der Schule ihr Deutsch üben können und einen Einblick in die Lebensgewohnheiten in der Schweiz erhalten. Seit vorletztem Sommer erhält Karin Ruckstuhl von der achtjährigen Sharuga aus Sri Lanka Besuch. Die Stimmung an diesem Nachmittag ist herzlich und ausgelassen. Zuerst werden die Hausaufgaben gemacht. Hierzu liest Sharuga aus der Geschichte «Das kleine Gespenst» vor. Mit Leichtigkeit beantwortet das Mädchen anschlies-send die Lernfragen zum Text. Danach machen die beiden ein Spiel. Zurzeit steht «Rummikub» hoch im Kurs.

Etwas später kommt die 21-jährige Tochter von Karin Ruckstuhl herein. Nicht ganz ohne Stolz erwähnt die Mutter, dass diese früher an der Kantonsschule als Freiwillige Asylsuchenden Deutsch unterrichtet hat. Vielleicht sei sie ja mit ihrem Freiwilligenengagement ein Vorbild für ihre Tochter gewesen, meint sie und lächelt dabei.

«Ich mag Kinder sehr gerne»

Von «mitten unter uns» erfuhr Karin Ruckstuhl durch eine Verwandte, die bereits als Freiwillige für das Integrationsprogramm tätig war. Und was gab bei ihr den Ausschlag, als freiwillige Gastgeberin aktiv zu werden? «Ganz einfach: Ich mag Kinder sehr gerne! Mich fasziniert, wie feinfühlig und ehrlich sie sind und welche Begeisterung sie ausstrahlen», erklärt sie. Sie fährt fort: «Genauso wie Sharuga einen Einblick in meine Lebensweise erhält, erfahre ich umgekehrt viel von der tamilischen Kultur.» Und dann schwärmt Karin Ruckstuhl von traditionellen tamilischen Tänzen und den tamilischen Currys, die sie kennenlernen durfte.

25-Jahr-Jubiläum von «mitten unter uns»

Die Initiative für «mitten unter uns» kam ursprünglich von Yvonne Steinemann, die 1993 als Lehrerin einer Integrationsklasse tätig war. Ihr Ziel war, ein respektvolles Zusammenleben und beidseitiges Verständnis von Menschen verschiedener Herkunft zu fördern, indem sie Gastfamilien für ihre Schülerinnen und Schüler suchte. Die Schüler besuchten die Gastgebenden regelmäs- sig und konnten dabei die Sprachkenntnisse verbessern und einen Einblick in die Lebensgewohnheiten der Schweiz gewinnen.

Überzeugt von ihrer Idee kontaktierte die Lehrerin das SRK Kanton Zürich und «mitten unter uns» war geboren! Was mit dieser Lehrerin und neun fremdsprachigen Jugendlichen einer Klasse angefangen hat, ist mittlerweile auf 217 Gastverhältnisse angewachsen. Rund 500 Kinder und Jugendliche profitierten 2017 vom Angebot. In diesem Jahr feiert «mitten unter uns» das 25-jährige Bestehen. Die Förderung der Integration von fremdsprachigen Kindern und Jugendlichen bleibt genauso wichtig wie dazumal, als Yvonne Steinemann ihre Projektidee hatte.