Jahresbericht 2019: Entlastung

Wandel und Beständigkeit

Ausgabe 2 / 2020
Der Bereich Entlastung des Zürcher Roten Kreuzes umfasst bewährte und bekannte Dienstleistungen wie den Fahrdienst und ebenso neue Angebote wie Rotkreuz-Duo oder Pontesano. Im Interview berichtet der Leiter, Marcel Fritsch, übers vergangene Jahr und neue Entwicklungen.

Was war besonders im Jahr 2019 im Bereich Entlastung?

Zu Beginn des Jahres haben wir Qualität und Wirkung des Angebots «Kinderbetreuung zu Hause» untersucht. Mit sehr erfreulichem Ergebnis: Sowohl die betreuten Familien als auch die Fachpersonen bei den zuweisenden Stellen sind mit dem Angebot sehr zufrieden und schätzen es als sehr wichtig und hilfreich ein. Übers ganze Jahr beschäftigt haben uns zudem die Transformation des Fahrdienstes, insbesondere die Entwicklung eines neuen IT-Systems inklusive Fahrer-App. Wir sind überzeugt, dass wir damit langfristig auf dem richtigen Weg sind – Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, werden auch in Zukunft auf den Rotkreuz- Fahrdienst zählen können. Eine weitere Neuentwicklung war die Einführung des Angebots Rotkreuz-Duo.

Wie verlief das vergangene Jahr bei den anderen Entlastungsangeboten?

Alle Angebote im Bereich Entlastung entwickelten sich erfreulich. Speziell freut mich, dass Stadt und Kanton Zürich die Leistungsvereinbarung für das Angebot «Kinderbetreuung zu Hause» verlängert haben. Auch der Notruf bereitet Freude: Wir konnten unsere Kundenbasis um mehr als fünf Prozent steigern. Ebenfalls sehr gut entwickelte sich Pontesano, das es seit Anfang 2018 gibt. Im vergangenen Jahr unterstützten bereits 77 Freiwillige Menschen mit psychischer Belastung.

Welches ist das älteste Angebot?

Der Rotkreuz-Fahrdienst – das Angebot gibt es bereits knapp 70 Jahre. Gegründet wurde der Fahrdienst durch einige Rotkreuz-Helferinnen. Erstmals erwähnt wurde er 1951 im Jahresbericht der damaligen Sektion Zürich. Heute bewältigen rund 1600 freiwillige Fahrerinnen und Fahrer über 170 000 Fahrten jährlich und legen über 2 Millionen Kilometer pro Jahr zurück. Eine unglaubliche Entwicklung und ein enormes Wachstum, das deutlich macht, dass grössere organisatorische und technologische Anpassungen von Zeit zu Zeit notwendig sind.

Und das neuste Angebot?

Rotkreuz-Duo – ein Unterstützungsangebot für ältere Menschen – wurde im Oktober 2019 lanciert. Damit reagieren wir auf die gesellschaftliche Entwicklung, dass immer mehr alte Menschen Unterstützung im Alltag benötigen, die sie aus ihrem unmittelbaren privaten Umfeld nicht bekommen.

Welche Angebote liegen Ihnen besonders am Herzen?

Alle Dienstleistungen empfinde ich als wichtig und sehr wertvoll. Was mich persönlich immer wieder ganz speziell beeindruckt, ist zu sehen, welch riesige Bedeutung die ambulante psychosoziale Betreuung Villa Vita im Leben vieler Klientinnen und Klienten hat.

Wo sehen Sie die Herausforderungen der Zukunft?

Herausfordernd ist, dass die privaten sozialen Netzwerke tendenziell schwächer werden. Immer weniger Menschen können sich auf Unterstützung aus ihrem privaten Umfeld verlassen. Mehr Menschen sind deshalb auf unsere Unterstützung angewiesen. Damit wir diese bezahlbar gewährleisten können, sind wir auf freiwillige Mitarbeitende angewiesen. Das führt mich zur zweiten Herausforderung: die Organisation attraktiver Freiwilligenarbeit. Zukunftsfähige Freiwilligenarbeit muss flexibel gestaltbar sein, sie muss die Stärken und Fähigkeiten der einzelnen Freiwilligen nutzen und aus Sicht der Freiwilligen sinnhaft sein. Das ist eine Herausforderung, wenn auf der anderen Seite unsere Klientinnen und Klienten professionelle, zuverlässige Dienstleistungen von uns erwarten.

Eine weitere, herausfordernde Entwicklung ist der schnelle technologische Wandel. Gerade die damit verbundenen neuen Möglichkeiten sind aber auch Teil der Lösung. Wenn es uns gelingt, sie geschickt zu nutzen, helfen sie uns dabei, für Freiwillige attraktiv zu bleiben und neuartige Unterstützungsleistungen zu entwickeln.