Freiwilligenarbeit

«Wenn die Kinder lachen, sind wir glücklich»

Ausgabe 1 / Februar 2018
Die beiden Freiwilligen Jeanette Isele (links) und Jennifer Stark engagieren sich in ihrer Freizeit für Kinder und Jugendliche in einem Asylzentrum. Sie und die zwei Flüchtlingskinder Sara und Hanibal sind derzeit auf Plakaten im Kanton Zürich zu sehen.
Jeanette und Jennifer machen auf Plakaten und online auf die Arbeit des Zürcher Jugendrotkreuzes aufmerksam. Die beiden sind Freiwillige im SRK Kanton Zürich und leiten gemeinsam Spielnachmittage für Kinder und Jugendliche in der temporären Wohnsiedlung Leutschenbach.

Lachende Kinder begeistern

Die zwei jungen Frauen erzählen begeistert von ihrem freiwilligen Einsatz. Ihre grösste Motivation schöpfen sie aus dem Kinderlachen. Jeanette: «Wenn wir ins Dörfli kommen und uns lachende Kinder entgegenspringen, macht mich dies sehr glücklich.» Jennifer stimmt ihr zu und ergänzt: «Es ist toll, die Entwicklung der Kinder über mehrere Jahre hinweg mitzuerleben.» Auch die Eltern der Kinder empfangen die Freiwilligen stets sehr freundlich und offen. Immer mal wieder werden sie sogar zu Tee und Kuchen eingeladen. Jennifer und Jeanette sind dankbar für das Vertrauen, das ihnen die Familien entgegenbringen. Die schönen Erlebnisse überwiegen. Die jungen Frauen erleben aber auch traurige Situationen. Beispielsweise, wenn ein Kind von einer schwierigen Flucht erzählt oder von einer fremdenfeindlichen Erfahrung berichtet.

Ein richtig gutes Team

Die minderjährigen Flüchtlinge am Spielnachmittag sind zwischen 3 und 15 Jahren alt. Deshalb sei es immer wieder eine Herausforderung, ein Programm zu planen, das für alle interessant ist. Kreativität, sich immer wieder neue Spiel- und Bastelideen zu überlegen, ist gefragt. Oftmals bringen die Kinder auch eigene Ideen ein. Herausfordernd ist auch, dass die Familien nicht konstant in Leutschenbach wohnen. Die Anzahl Kinder variiert daher und reicht von 10 bis zu 25 Kindern. Jennifer und Jeanette haben sich jedoch daran gewöhnt, dass nicht alles vorher planbar ist, und lernten, mit dieser Situation umzugehen. «Wir sind ein richtig gutes Team und meistern diese Unsicherheiten», meint Jeanette nicht ohne Stolz. Anfang 2016 starteten Jennifer und Jeanette als Abgeordnete beim Jugendrotkreuz. Sie besuchten dazu verschiedene Rotkreuz- Kurse, unter anderem zu den Themen Ausländer- und Asylrecht, transkulturelle Kompetenz und Begleiten von Freiwilligen.

Kompetenzen fürs Leben

Es überrascht, dass beide beruflich nicht mit Kindern zu tun haben. Jeanette arbeitet als Systembibliothekarin. Jennifer hatte als Kind zwar den Traumberuf Kinderärztin, ist heute aber Sachbearbeiterin Rechnungs- und Personalwesen. Sie beide geniessen den Einsatz für das Jugendrotkreuz als Ausgleich zum Job. Durch das freiwillige Engagement konnten sie bereits viele Kompetenzen für ihr berufliches und privates Leben erwerben. Die beiden Teamleiterinnen tragen die Hauptverantwortung für die Durchführung der Spielnachmittage, organisieren Planungstreffen mit dem gesamten Freiwilligenteam, besorgen das Bastel- und Spielmaterial und halten den Kontakt zu den Ansprechpersonen des Zürcher Roten Kreuzes. Kennengelernt haben sie sich erst durch das Jugendrotkreuz. Bei den gemeinsamen Treffen planen sie nicht nur die Aktivitäten, sondern plaudern auch über Privates. Sie verstehen sich sehr gut und haben oft die gleiche Meinung. Das erleichtert ihnen die Planung und Durchführung ihrer Aktivitäten. Nur ein typisch schweizerisches Gesprächsthema führt zu hitzigen Diskussionen zwischen den beiden: das Wetter. Ist es Jennifer nie zu kalt, ist Jeanette hingegen ein «Gfrörli». Augenzwinkernd meint Jeanette: «Da ergänzen wir uns perfekt.»

Glückliche Überraschung

Im Mai bedankten sich die Kinder und Familien der Wohnsiedlung Leutschenbach sowie Freiwillige vom Jugendrotkreuz bei Jeanette und Jennifer mit einem Lied der Schweizer Band HECHT für ihren tollen Einsatz. Die grosse Überraschung wurde im Rahmen der SRF-Sendung «Ich schänke dir es Lied» ermöglicht. «Wir haben absolut nichts geahnt. Es war unglaublich, so etwas erleben zu dürfen», berichten die beiden.