Berufsausbildung

Auf Lehrstellensuche

5. Juni 2021
Hiba und Matthias von Perspektive Arbeit blicken aus dem Fenster des Arbeitsraums beim Roten Kreuz
Die Syrerin Hiba aus Dietikon ist auf der Suche nach einer Lehrstelle im Gesundheitsbereich. Unterstützung erhält sie dabei von Matthias, einem Freiwilligen des Roten Kreuzes Zürich. Die beiden sind Teil des Mentoring-Programms «Perspektive Arbeit», in dem anerkannte Flüchtlinge von Freiwilligen bei der Ausbildungs- und Arbeitssuche unterstützt werden.
Bewerbung schreiben, versenden, gefolgt von nervösem Abwarten – fast jede und jeder von uns weiss, wie herausfordernd es sein kann, einen Job zu finden. Für Hiba aus Dietikon ist dies zurzeit Alltag: «Mein Ziel ist es, eine Lehrstelle als medizinische Praxisassistentin oder als Dentalassistentin zu finden», sagt die 27-Jährige. Um dieses Ziel zu erreichen, trifft sie sich einmal wöchentlich mit ihrem Mentor Matthias. Der 38-Jährige engagiert sich beim Zürcher Roten Kreuz als Freiwilliger und unterstützt Hiba seit Februar bei allen Belangen rund um die Lehrstellensuche.

Auf Kurs

Die beiden sind ein eingespieltes Team und haben bereits einige Fortschritte erzielt: So haben sie Hibas Lebenslauf überarbeitet, Bewerbungsfotos aufgenommen, waren zusammen in der Bibliothek und natürlich haben sie auch bereits zahlreiche Bewerbungen verschickt. «Mittlerweile sind es weit über 20», sagt Matthias. Er engagiert sich bereits seit 2019 für das Mentoring-Programm und hat vor Hiba bereits einen jungen Mann bei der Lehrstellensuche begleitet. Der Primarlehrer schätzt es, durch das Programm auch mit Erwachsenen im Eins-zu-eins-Setting arbeiten zu können. Doch nicht nur das. «Mir ist es wichtig, mich einzusetzen, aktiv zu werden und nicht nur darüber zu sprechen», begründet er seinen Einsatz als Freiwilliger.

Durchhaltevermögen ist gefragt

Angesprochen auf ihren Wunschberuf erklärt Hiba: «In Syrien ist es üblich, dass man mit der ganzen Familie – inklusive den Grosseltern – unter einem Dach lebt». Deshalb sammelte sie früh Erfahrung im Umgang und der Pflege von betagten Menschen. Verantwortung übernehmen, für andere da sein und helfen – das liegt der jungen Frau. Matthias lobt ausserdem ihre Disziplin, ihr Durchhaltevermögen und ihre Pünktlichkeit. Doch die Lehrstellensuche im Pflegebereich gestaltete sich schwierig. Hiba hat einige Absagen erhalten, als sie sich als Fachfrau Gesundheit bewarb. Doch davon lässt sie sich nicht unterkriegen und interessiert sich auch für andere Berufsausbildungen im Gesundheitsbereich.

«Hiba ist sehr motiviert», sagt Matthias. «Momentan besuche ich einen Deutschkurs mit Niveau B2», erklärt die aufgestellte junge Frau. Wer die deutsche Sprache auf diesem Niveau beherrscht, kann sich fliessend und spontan ausdrücken und ist in der Lage, Hauptinhalte komplexer Texte zu verstehen. Dass sie ein gutes Sprachgefühl hat, bestätigt auch ihr Mentor. «Wenn wir zusammen Bewerbungen schreiben, fallen ihr Fehler jeweils sofort auf», lobt er. Das kommt nicht von ungefähr: In Syrien hat Hiba die Matura mit Schwerpunkt Literatur abgeschlossen. Sie träumte davon, an der Universität Englisch zu studieren. Doch dann kam der Krieg.

Berufslehre als Fundament

Mittlerweile lebt die junge Frau seit sieben Jahren in der Schweiz und hat auch bereits Arbeitserfahrung gesammelt. Während rund fünf Jahren arbeitete sie als Sachbearbeiterin in einer Wäscherei. «Ich habe Rechnungen vorbereitet, Lieferscheine ausgestellt und mich um die Bestellungen gekümmert. Ausserdem habe ich auch beim Waschen geholfen», erklärt Hiba. Die Arbeit hat ihr gefallen. Doch wer in der hiesigen Arbeitswelt langfristig Fuss fassen will, braucht eine abgeschlossene Berufslehre. Dies betont auch ihr Mentor. «Die Lehre bildet das Fundament für die berufliche Zukunft», sagt er. Ausserdem ist Hiba ehrgeizig: «Ich möchte etwas erreichen», sagt sie. Bis es so weit ist, heisst es: fleissig Bewerbungen schreiben, abschicken und auf positiven Bescheid hoffen.

Happy End

Im Juli erreicht uns die Botschaft, dass sich Hibas Bemühungen ausbezahlt haben: Sie hat einen Lehrvertrag als Dentalassistentin unterschrieben. Wir freuen und mit ihr und gratulieren von Herzen!

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