Von Lea Bader

Beide Seiten geniessen die Abwechslung

Ausgabe 1/17
Lea Bader ist seit über fünf Jahren Freiwillige im ZürcherJugendrotkreuz. Gemeinsam mit andern Freiwilligenunternimmt sie regelmässig mit Bewohnerinnen und Bewohnern eines Alterszentrums Ausflüge und Spaziergängein die Umgebung. Was als Schnuppereinsatz begann, wurde zu einem festen Bestandteil ihrer Freizeit. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen und Erfahrungen zwischen Alt und Jung.

Die roten Rotkreuz-T-Shirts sind schon von Weitem zu erkennen. Jeden zweiten Samstag finden sich zwischen drei und sieben Freiwillige des Zürcher Jugendrotkreuzes im Alterszentrum Adlergarten in Winterthur ein, um gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ein paar Stunden zu verbringen. 

Nach einigen Minuten mit Suchen von Jacken, Hüten, Decken und passenden Rollstühlen geht es los. Je nach Wetter und Jahreszeit trifft man die gemischte Gruppe bei einem Bummel in der Altstadt, beim Bewundern der Natur, im Park, beim Spielen oder Kaffeetrinken. Die älteren Leute lassen sich auf vieles ein, und die Jungen haben immer wieder neue Ideen. 

Nach rund zwei Stunden kommen wir jeweils zurück ins Alterszentrum. Manche Bewohner nehmen erst bei der dritten oder vierten Einladung teil. Zuerst möchten sie von den Heimkehrenden wissen: «Und, wie war’s? Was habt ihr gemacht?» 

Lachen, Witze, Situationskomik

Die Verbindung zu älteren Menschen durfte ich schon sehr früh aufbauen. So nahm ich meine erste Stelle in der Pflege auf einer geriatrischen Station an, machte freiwillige Sitznachtwache während des Studiums und bin nun als Ergotherapeutin wieder auf einer geriatrischen Akutstation beschäftigt. Die Wahl für die Aktivität «Spaziergänge mit Senioren» war jedoch zunächst örtlich begründet. Ich wollte ein Freiwilligenengagement in der Nähe meines Wohnorts. Seit über fünf Jahren bin ich nun dabei, und die Motivation hat in dieser Zeit nicht abgenommen. Ganz im Gegenteil: Das Engagement aller Beteiligten, vor allem der Einsatz der anderen Freiwilligen, hilft mir dabei, Neues zu probieren und Bewährtes weiterzuführen. «Nach einem Einsatz fühle ich mich belebt mit neuen Ideen für weitere Aktivitäten.»

Lachen, Witze, Situationskomik und Schwelgen in schönen Erinnerungen kommen an den Einsätzen nicht zu kurz. Plötzlich sind Freiwillige zu hören, die mit den Senioren Französisch sprechen, oder es wird spontan ein Lied angestimmt. Auch bekommen wir als Freiwillige immer wieder spürbare Wertschätzung. 

Dankeschön und Wertschätzung

Die lockere Atmosphäre und das «Programm» übertragen sich auf die Stimmung aller Beteiligten und teilweise auch auf das übrige Alterszentrum. Besonders in Erinnerung ist mir eine Angehörige geblieben, die uns Freiwillige nach dem Einsatz auf dem Nachhauseweg auf der Strasse erkannte und uns ein «Dankeschön» nachrief. 

Die Synergie zwischen den zwei Generationen beeindruckt mich. Es gibt keine «Geber» und «Nehmer», obwohl dies in der Freiwilligenarbeit oft so beschrieben wird. Wir Jungen «leihen» den Senioren unsere Muskelkraft und Energie. Sie wiederum geben uns die Gelegenheit, von unserem schnelllebigen Alltag mit den vielen Kurznachrichten auf dem Handy und allen Verpflichtungen etwas Abstand zu nehmen und uns für einige Stunden auf das Gegenüber und voll und ganz auf das Hier und Jetzt einzulassen. So fühle ich mich nach einem Einsatz belebt mit neuen Ideen für weitere Aktivitäten und vielen neuen Erfahrungen. 

Was war das beste Erlebnis?

Die Frage, was das beste Erlebnis in den Einsätzen war, ist schwierig zu beantworten. War es das gemeinsame «Schoggicrêpes-Essen» an einem Stand, als die meisten schwärmten: «Mmmhhh, Crêpes hatte ich schon seit Jahren nicht mehr!», ist es das jährliche «Guetzle» in der Wohngruppe, wenn alle eine Aufgabe finden und ganz stolz auf das Ergebnis sind, oder ist es die spontane Musiksession in der Cafeteria? Ich wünsche mir jedenfalls, dass wir diese Aktivitäten auch in Zukunft so weiterführen können und wir weiterhin so viele motivierte junge Erwachsene finden, die ihre Zeit und ihre Freude zu teilen wissen.