Spieleabend im Wohnheim Mühlehalde

Generationen verbinden

Ausgabe 1 / Februar 2019
Freiwillige des Jugendrotkreuzes spielen mit älteren Bewohnern des Blindenwohnheims Mühlehalde
Für ältere Menschen können Tage manchmal lang und einsam sein, vor allem, wenn sie nicht mehr in den eigenen vier Wänden leben und körperlich eingeschränkt sind. Viele haben nur wenig Kontakt zu Jüngeren. Da ist ein kurzweiliger Spielabend mit Freiwilligen vom Jugendrotkreuz eine willkommene Freude im Alltag – für den Schachspieler im Wohnheim Mühlehalde sogar etwas, das den Abend überdauert.

«Ich spiele Springer G5 und greife Bauer auf E7 an.» So kommentiert Pascal Fehr seinen Schachzug in der Cafeteria des Wohnheims Mühlehalde. Sein Spielpartner ist sehbehindert und gut vorbereitet. Er hat sich vom Spielstand der vorherigen Woche alle Züge aufgeschrieben und seither einige Strategien für das Schachspiel überlegt. Für die Fortsetzung des Spiels an diesem Abend hat er die Figuren auswendig auf dem Brett aufgestellt. Pascal Fehr engagiert sich seit fünf Jahren für die Aktivität «Gemeinsam spielen» des Zürcher Jugendrotkreuzes.

Ein wichtiges Angebot für ältere Menschen

«Jeder, der alt ist und gerne spielt, würde sich wünschen, dass es so etwas gibt», meint er. Das ist seine Motivation, um jeden Donnerstagabend als Freiwilliger den Spielabend im Wohnheim für blinde und sehbehinderte Menschen zu organisieren. Ausserdem spielt er selber gerne. Schach hat der Logistiker von seinem Vater gelernt. «Natürlich will ich gewinnen. Aber es soll in erster Linie meinem Gegner, dem Bewohner des Wohnheims, gefallen», erklärt er.

Weil sein Gegenüber nicht gut sieht, kommentiert er alle Züge und gibt wenn nötig den Überblick zum Spielstand. Im Gegensatz zu seinem Spielpartner bereitet sich der Freiwillige nicht auf das Spiel vor – so haben beide ihr «Handicap» und sind damit Partner auf Augenhöhe. Die beiden spielen so weit, wie sie am Abend kommen, und fahren die folgende Woche dort fort, wo sie aufgehört haben. Der Bewohner wird sich bis dann wieder neue mögliche Zug- und Schlagmöglichkeiten überlegt haben.

Er könne sich gut auf ältere Menschen einlassen, sagt Pascal Fehr. «Wenn man sie fragt, erzählen sie gern. Die meisten haben viel erlebt und ein grosses Wissen. Aber oft spielen wir einfach nur und verbringen gemeinsam einen schönen Abend. Ich finde es wichtig, dass es für ältere Menschen solche Angebote gibt.»

Spiele für alle

An einem Spielabend sind jeweils zwei bis drei junge Freiwillige dabei. Zum abendlichen Spielprogramm gehören auch andere Gesellschaftsspiele wie Domino oder Kreuzworträtsel. Beim Domino kann die Anzahl Augen auf den grossen Dominosteinen ertastet werden, beim Rätsel lesen die Freiwilligen die Fragen jeweils vor. So können alle Bewohnerinnen und Bewohner mitspielen, unabhängig von ihrer Sehkraft.

An diesem Abend spielen sie zu sechst Domino. Eine der Mitspielerinnen ist über 90 und entschuldigt sich, dass sie etwas unbeholfen ist mit den Armen. Sie habe Schulterprobleme, erklärt sie den zwei Gästen von der Rotkreuzzeitung, die den Spielabend besuchen. «Nicht, dass Sie denken, ich hätte getrunken!», sagt sie halb ernst, halb lachend. Auch eine weitere Freiwillige, Tehreem, ist dabei. «Ich wollte etwas machen für ältere Menschen und habe mich für diese Aktivität entschieden», erzählt sie.

«Wir wollen jetzt spielen!»

Die Mitspieler sind unterdessen schon ungeduldig und es tönt aus der Gruppe: «Wir wollen jetzt spielen!» Beim Domino kommentiert Pascal Fehr nach jedem neuen Spielzug, welche Augenzahl gefragt ist. Er hat eine Glückssträhne und gewinnt zwei Partien hintereinander. Auf die Frage in die Runde, ob er auch gut verlieren könne, antwortet eine Bewohnerin, die ihn schon lange kennt: «Ja, wir haben immer gut gespielt zusammen.» Und vertieft sich gleich wieder in das laufende Spiel.