Freiwilligenarbeit

Rettungsschwimmer aus Leidenschaft

Die sechs wichtigsten Baderegeln der SLRG werden ergänzt durch Fluss-, Eis- und Tauchregeln.
Ueli Bärtschi ist Rettungsschwimmer und Freiwilliger der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Philipp Binaghi* hat ihn bei einer Rettungsübung begleitet. Zur Badesaison sind die Präventionsregeln am und im Wasser hochaktuell – ein guter Grund, diese wieder einmal anzuschauen.

Die Leine des Wurfsacks fliegt aus Ueli Bärtschis Hand. Mit einem lauten «Platsch» landet die daran befestigte Boje im Wasser der Luzerner Reuss und der in der Strömung treibende Schwimmer greift danach. Innert Sekunden spannt sich das Seil unter der Kraft des ziehenden Wassers und dem Gewicht von Dario Lang, der sich als mögliches Opfer daran festhält. «Retten mit geringstem Risiko nennen wir das», gibt Ueli Auskunft und meint, dass es leichter aussehe als es sei.

Doch keine Angst, es ist kein Ernstfall, sondern eine Übung. Und da entdeckt Ueli unter den Zuschauern Bekannte, die Familie Bieri aus Emmenbrücke. Er nimmt sich kurz Zeit und unterbricht für einen Moment, um Vater Reto mit den Kindern Emma und Ben die Baderegeln zu erklären. «Schau, Emma, die erste Regel ist die wichtigste, der Papi soll ja nicht meinen, er könne mit dir ans Wasser gehen und aufs Handy schauen – er soll immer gut auf dich aufpassen und bei dir sein!», sagt er mit einem gut gemeinten Augenzwinkern zum Vater. Ueli fährt fort und setzt unter den kritischen Augen der zahlreichen Schaulustigen zum Sprung in die Reuss an. Diesmal packt er Rettling Dario am Kragen und kämpft sich seitwärts durch die Strömung.

Freiwilliger Rettungsschwimmer durch und durch

Von aussen mag das einfach aussehen, aber wer den Gesichtsausdruck von Retter und Gerettetem sieht, kann unweigerlich erkennen, dass es ein enormer Kraftakt sein muss. Als wir uns hinsetzen und ich ihm ein paar Fragen stelle, wird klar: Ueli ist freiwilliger Rettungsschwimmer durch und durch. Nach seiner ersten SLRG-Ausbildung, dem Jugendbrevet, folgten mit 15 Jahren das Brevet I sowie Frei- und Wildwasserausbildungen. Die Zeit im Einsatz für den Verein nimmt stetig zu. Heute ist er Präsident der Sektion Luzern und der Region Zentral und ist im Zentralvorstand der nationalen SLRG. Und das immer als Freiwilliger, zum Wohl des Verbandes und der Gemeinschaft. Dass er nun auch international «mitmischen» darf, ist für ihn der Höhepunkt. Auf internationaler Ebene nimmt er für die SLRG Einsitz in der ILSE (International Lifesaving Europe) in die «Rescue Commission », die sich um Rettung und Präventionsmassnahmen kümmert.

Ertrinken verhindern durch einfache Baderegeln

Das grosse Ziel «Ertrinken verhindern» Die einfachen Verhaltensregeln der SLRG richten sich an alle, die sich am, im und auf dem Wasser aufhalten. Die wichtigsten sechs Baderegeln sind:

  1. Kinder nur begleitet ans Wasser lassen – kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen.
  2. Nie alkoholisiert oder unter Drogen ins Wasser. Nie mit vollem oder ganz leerem Magen schwimmen.
  3. Nie überhitzt ins Wasser springen. Der Körper braucht Anpassungszeit.
  4. Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen. Unbekanntes kann Gefahren bergen.
  5. Luftmatratzen und Schwimmhilfen gehören nicht ins tiefe Wasser. Sie bieten keine Sicherheit.
  6. Lange Strecken nie alleine schwimmen. Auch der besttrainierte Körper kann eine Schwäche erleiden.

Die beunruhigende Zahl an Wasserunfällen von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit hat die SLRG dazu bewogen, die Präventionsarbeit in diesem Bereich zu intensivieren. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Verband der Hallen- und Freibäder (VHF) und dem Schweizerischen Roten Kreuz wurden ein Flyer sowie ein Plakat erstellt. Mit diesen Infomaterialien in verschiedenen Sprachen soll ihnen das Thema Wassersicherheit einfach und verständlich vermittelt werden (www.slrg.ch).

Ueli hat eine grosse emotionale Verbundenheit zur SLRG: «Unsere Kultur, das Leben bei der SLRG und im Verein in Luzern ist wie dasjenige in einer Familie. Man lacht, weint und streitet zusammen. Wenn es aber um das grosse Ziel ‹Ertrinken verhindern› geht, sind wir geeint und legen uns kompromisslos gemeinsam ins Zeug.» Das Wasser begleitet Ueli schon fast sein ganzes Leben. Und damit die Frage, wie man den Spass im nassen Element für die Mitmenschen sicherer gestalten kann, ohne mit zu vielen Regeln und Geboten einzuwirken. «Die Menschen sollen Spass haben am Wasser und danach gesund nach Hause zurückkehren.»