Freiwilligenarbeit

Trends im Engagement von Freiwilligen

Ausgabe 1 / Februar 2018
Ein Team der Versicherungsgesellschaft XL Catlin bereitet ein Mittagessen für die Klienten der «Villa Vita» zu.
Ein Team der Versicherungsgesellschaft XL Catlin bereitet ein Mittagessen für die Klienten der «Villa Vita» zu.
Eine periodische Erhebung zur Freiwilligenarbeit in der Schweiz hat in der Ausgabe von 2016 eine Tendenz zum Rückgang des freiwilligen Engagements über den Zeitraum seit 2007 ausgemacht. In der gleichen Periode durfte das Zürcher Rote Kreuz hingegen einen steten Zuwachs der Freiwilligenzahlen vermerken.

Im Jahr 2017 waren es insgesamt 2700 Freiwillige im SRK Kanton Zürich, was einen Zuwachs von fast 30 Prozent gegenüber 2007 ausmacht. Wir haben in dieser Zeit die Einsatzmöglichkeiten sowohl in Bezug auf die Inhalte von Freiwilligenprogrammen wie auch die Form diversifiziert: Die Zahl Programme hat sich verdoppelt. Neben regelmässigen wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Einsätzen leisten Freiwillige heute auch Tageseinsätze oder sie arbeiten wochenweise zugunsten von Begünstigten, wenn sie in einer Zwischenzeit (Sabbatical, Überbrückung zwischen zwei Jobs etc.) ihren Erfahrungshorizont erweitern oder Luft in einem anderen Arbeitsbereich als in ihrem angestammten schnuppern wollen.

Ausserdem haben wir mit dem Jugendrotkreuz das Ziel erreicht, dass mindestens 10 Prozent aller Freiwilligen jünger als 30 Jahre alt sind. So ist uns der Anschluss an die nächste Generation gelungen. Als Freiwilligenorganisation im Sozial- und Gesundheitsbereich sind wir gut beraten, die Entwicklungen im Engagementverhalten der Bevölkerung, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, im Auge zu haben und rechtzeitig darauf zu reagieren.

Drei Trends sind auszumachen, die die Entwicklung in der Freiwilligenarbeit bestimmen und mit denen wir uns beschäftigen: 

  • Grenzen zwischen den verschiedenen Lebensbereichen werden durchlässiger: Mit dem Homeoffice reicht die Erwerbsarbeit in die Haus- und Familienarbeit hinein und die Flexibilisierung der Erwerbsarbeitszeit ermöglicht, sich beispielsweise stundenweise aus dem Büro auszuklinken, um eine Klientin unserer Beratungsstelle zu einer Wohnungsbesichtigung zu begleiten. Junge Erwachsene erwerben in einer Gruppenaktivität mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden Kompetenzen für ihre berufliche Entwicklung. Als Freiwilligenorganisation müssen wir die Arbeit zugunsten von und mit Begünstigten so organisieren, dass wir das Angebot an Zeit und Kompetenzen, das uns Freiwillige und Organisationen (wie Unternehmen beispielsweise) machen, in den einzelnen Dienstleistungen auch wirklich nutzen können.
  • Freiwillige wollen vermehrt ihre Fähigkeiten und Kompetenzen einsetzen: Sie verknüpfen damit die Erwartung, eine möglichst starke und nachhaltige Wirkung ihres Engagements zu erzielen. Erfahrene Lehrpersonen beispielsweise bringen ihr Wissen im Deutschunterricht für Asylsuchende ein. IT-Fachleute unterstützen anerkannte Flüchtlinge in Computerkursen.
  • Diskussion um die Freiwilligkeit in der Freiwilligenarbeit: Sollte es nicht auch Formen von Gegenleistung im Engagement geben? Aktuell diskutiert und ausprobiert werden beispielsweise Konzepte zur «Zeitvorsorge», prominent vertreten durch den Verein KISS («Keep it small and simple»). Mit dem eigenen Engagement in kleineren, überschaubaren Organisationseinheiten (small and simple) können Menschen mit ihrem Einsatz Zeit ansparen, die sie zu einem späteren Zeitpunkt, sollten sie selber Betreuung und Unterstützung brauchen, für sich abrufen können. Auf diese Weise würde das Netz der Verantwortung für die Erfüllung wichtiger gesellschaftlicher Aufgaben über verschiedene Generationen hinweg geknüpft. Mit diesen Konzepten erhofft man sich, die in noch höherem Ausmass anfallenden Aufgaben im Bereich von Begleitung und Betreuung hochaltriger Personen sichern zu können.

Freiwilligenarbeit beim Roten Kreuz steht im Dienst an der Not von Menschen und ist nicht Selbstzweck. Sie lebt wesentlich vom Engagement der vielen Freiwilligen in der Organisation, die ihren Beitrag an eine solidarische Gesellschaft leisten.