Freiwillige Erzählen

Sympathische Dreierbande

Ausgabe 3 / Juli 2017
Raphael und Frederico haben sich anfangs 2016 dazu entschlossen, beim Zürcher Rotkreuzprogramm «mitten unter uns» mitzumachen. Seither besucht sie Yosief, der aus Eritrea stammt, jede Woche. Die drei haben gemeinsam viel Neues er¬lebt, gelernt und viel gelacht. Und das Besondere: Es hat sich auch eine bereichernde Freundschaft entwickelt.

Ein typisches Treffen der drei be­ginnt mit dem gemeinsamen Einkauf des Abendessens. Dabei lernt Yosief (21 Jahre) immer wieder Neues über die für ihn fremden Produkte und über die Einkaufsgewohnheiten in der Schweiz. Ausserdem kann er sei­ne Sprachkenntnisse aktiv anwenden, wenn er die Mitarbeitenden des La­dens etwas fragt. Bei den Treffen le­gen Frederico und Raphael den Fokus auf Deutsch und Mathematik. Diese zwei Fächer sind nicht nur wichtig für das Berufsleben, sondern auch für das Alltägliche. Oft schauen sie deshalb gemeinsam die Tagesschau. Dabei ist es eindrücklich, wie wissbegierig Yo­sief ist. Er bringt seine Gastgeber so­gar in Erklärungsnöte: «Einmal hat er uns gefragt, was Pragmatismus ist. Da wussten wir nicht gleich, wie wir ihm das erklären sollen.»

Aller Anfang ist schwer

Zu Beginn war es schwierig, sich auf Deutsch mit Yosief zu verständigen. Deswegen griff Frederico – er ist bra­silianischer Abstammung – auf Portu­giesisch zurück. Da Eritrea früher eine italienische Kolonie war, kann Yosief ein wenig Italienisch und versteht des­halb einige Brocken Portugiesisch. Unterdessen hat Yosief grosse Fortschrit­te gemacht. Er versteht viel mehr, traut sich aber noch nicht, selber viel zu sprechen.

«Nicht nur Yosief ist in dieser Zeit gewachsen, auch wir.»

Yosief hegt einen Berufswunsch: Er würde am liebsten Schreiner oder Logistiker am Flughafen werden. Hier zeigt sich ein wenig der Einfluss von Raphael – er arbeitet am Flugha­fen und ist dort für den reibungslosen Ablauf ankommender und abfliegen­der Fluggäste zuständig.

Kürzlich entdeckten Raphael und Frederico Yosiefs Leidenschaft für Billard – er hat die beiden haushoch geschlagen. Im Asylzentrum, in dem er ein Jahr verbracht hat, gab es einen Billardtisch. Billardspielen war für ihn und viele andere dort eine der we­nigen Möglichkeiten, dem eintönigen Alltag zu entfliehen.

Neue Freundschaften dank «mitten unter uns»

Das Integrationsangebot «mitten unter uns» bietet fremdsprachigen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, mit deutschsprachigen Freiwilligen die Ei­genheiten und Lebensgewohnheiten der Schweiz kennenzulernen. Im Zent­rum steht das Üben und Anwenden der Sprache im Alltag, aber auch das Ken­nenlernen von ganz alltäglichen Din­gen. Die Betreuten verbringen etwa zwei bis drei Stunden wöchentlich mit ihren Freiwilligen.

Von «mitten unter uns» hat Yosief durch seine Schule erfahren. Raphael und Frederico informierten sich ihrer­seits über Möglichkeiten, zu helfen: «Wir wollten etwas zurückgeben an Menschen, die es nicht so einfach ha­ben. So sind wir auf das Integrations­angebot des Zürcher Roten Kreuzes gestossen.» Heute würde keiner der drei den Kontakt missen wollen, denn zwischen ihnen hat sich eine berei­chernde Freundschaft entwickelt. Yo­sief kam auch an die Geburtstagsfei­er von Raphael. Rund 50 Leute waren eingeladen, und es war nicht selbst­verständlich, dass Yosief sich traute, vorbeizuschauen. Umso mehr freute sich Raphael über sein Kommen und die selbst geschriebene Karte.

«Es ist eindrücklich, wie wissbegierig Yosief ist.»

Für die Zukunft versuchen Raphael und Frederico, Yosief bei seinem Berufswunsch zu unterstützen. «Durch meine Erfahrung als Personalberater kann ich ihm vieles zum Thema Be­werbung und Vorstellungsgespräch mitgeben», sagt Frederico. Raphael und Frederico würden sich wünschen, dass auch andere Menschen bei «mit­ten unter uns» mitmachen: «Nicht nur Yosief ist in dieser Zeit gewach­sen, sondern auch wir. Wir haben viel über Eritrea erfahren und sogar Parallelen zur Schweiz entdeckt.» Und Yosief meint: «Ich finde es super. Ich habe viel Hilfe bekommen und viel gelernt.»